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Wissenschaft

Das Rätsel um den Marskern: Ist er der Erde ähnlicher, als wir dachten?

Neue Erkenntnisse stellen bisherige Annahmen über das Innere des Mars infrage: Der Kern, der lange als vollständig flüssig galt, könnte einen festen inneren Kern haben. Eine Entdeckung, die unser Verständnis des Roten Planeten verändert – und möglicherweise Geheimnisse über sein verlorenes Magnetfeld enthüllt. Stehen wir kurz davor, die geologische Geschichte des Mars neu zu schreiben?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Seit Jahren gibt der Kern des Mars den Wissenschaftlern Rätsel auf. Versteckt unter Kilometern aus Gestein und Staub blieb seine Beschaffenheit lange unbekannt. Erst die NASA-Sonde InSight lieferte durch die Messung sogenannter „Marsbeben“ erste Hinweise auf seine Zusammensetzung und deutete darauf hin, dass er flüssig sei.

Doch eine neue Studie stellt dieses Bild auf den Kopf: Der Marskern könnte fest sein – und damit der Erde ähnlicher, als bisher angenommen.

Flüssig oder fest? Das Mars-Kern-Rätsel nimmt eine überraschende Wendung

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© iStock.

Als 2021 die erste große Analyse des Marsinneren veröffentlicht wurde, schienen die Daten von InSight eindeutig: Der Kern des Planeten ist flüssig, bestehend aus Eisen, Nickel, Sauerstoff und Schwefel. Diese Erklärung galt jahrelang als gesichert.

Doch jetzt haben Wissenschaftler aus Frankreich und Deutschland etwas entdeckt, das unser Bild vom Mars grundlegend verändern könnte. Ihre Studie, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, legt nahe, dass der Kern nicht vollständig flüssig ist. Stattdessen könnte sich im Inneren ein fester Kern befinden – ähnlich wie auf der Erde, aber mit einzigartigen Eigenschaften, die Hinweise auf die magnetische Vergangenheit des Planeten liefern könnten.

Was einst als Gewissheit galt, hat sich in eine noch faszinierendere Unbekannte verwandelt.

Eisen und Schwefel als Schlüssel zu einem festen Kern

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© iStock.

Der große Wendepunkt in dieser Geschichte ist ein bestimmtes Mineral: Eisensulfid.

Laborexperimente zeigen, dass sich dieser Stoff bei Temperaturen unter 1.700 Grad Celsius im Kern des Mars verfestigen könnte. Das bedeutet, dass das Innere des Mars viel komplexer sein könnte als bisher gedacht.

Anstatt einer homogenen Kugel aus flüssigem Metall könnte der Planet differenzierte Schichten besitzen – ähnlich wie die Erde. Sollte sich dies bestätigen, ergeben sich neue Fragen:

  • Wie hat ein fester Kern das Magnetfeld des Mars beeinflusst?
  • Könnte er zur schrittweisen Zerstörung der Atmosphäre beigetragen haben?
  • Was verrät er über die geologische Vergangenheit des Planeten?

Die entscheidende Spur zum verlorenen Magnetfeld des Mars

Eines der größten Mysterien des Mars ist sein fehlendes Magnetfeld. Anders als die Erde besitzt er kein aktives globales Magnetfeld mehr – was es der Sonnenstrahlung ermöglicht hat, seine Atmosphäre mit der Zeit zu verdünnen.

Falls der innere Kern jedoch fest ist, wie die neue Studie nahelegt, könnte der Mars einst ein Magnetfeld besessen haben. Das öffnet eine faszinierende Möglichkeit: Gab es in der Vergangenheit Bedingungen, die das Leben auf dem Mars begünstigt haben könnten?

Eine Entdeckung mit Folgen für die Marsforschung

Auch wenn diese Theorie noch weitere Beweise erfordert, steht bereits fest: Dieses Ergebnis könnte unser Verständnis der Marsgeologie revolutionieren.

Zukünftige Missionen könnten gezielt nach Beweisen suchen, um zu bestätigen, ob der Kern tatsächlich fest ist – und welche Auswirkungen dies für die Erforschung des Roten Planeten hat.

Der Mars bewahrt seine Geheimnisse noch immer tief unter der Oberfläche. Doch mit jeder neuen Entdeckung kommen wir seinem wahren Wesen näher – und vielleicht auch der Antwort auf eine der spannendsten Fragen des Universums: Wie ähnlich ist der Mars der Erde wirklich?

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