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Wissenschaft

Das Rätsel der sich selbst bewegenden Steine: Das Wüstenmysterium, das ein Jahrhundert brauchte, um gelöst zu werden

Mehr als 100 Jahre lang bewegten sich riesige Felsen in einer Wüste, ohne dass jemand sie tatsächlich in Bewegung sah. Wissenschaftler, Abenteurer und Neugierige versuchten vergeblich, die Ursache zu ergründen – bis einem Team schließlich das Unmögliche gelang: Sie fingen den Moment auf Video ein. Wie bewegen sich diese Steine? Welche Kräfte stecken hinter diesem Phänomen?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Im Herzen einer kalifornischen Wüste faszinierte ein rätselhaftes Phänomen Wissenschaftler und Besucher jahrzehntelang: Riesige Felsen glitten scheinbar von selbst über den Boden, ohne dass jemand ihre Bewegung beobachten konnte. Doch die Spuren, die sie hinterließen, waren unübersehbar.

Es wurden die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt – von unsichtbaren Kräften bis hin zu außerirdischer Intervention. Schließlich gelang es einem Forschungsteam, was zuvor niemand geschafft hatte: den Moment der Bewegung auf Video festzuhalten.

Die Wandersteine von Racetrack Playa: Spuren im Sand ohne Erklärung

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Auf der ausgetrockneten Ebene von Racetrack Playa im kalifornischen Death Valley fanden sich immer wieder Dutzende von Felsen an neuen Positionen wieder – einige von ihnen bis zu 320 Kilogramm schwer. Ihre langen Spuren, die sich über Hunderte von Metern erstreckten, waren der einzige Hinweis auf ihre Wanderung.

Das beunruhigendste Detail: Niemand hatte je gesehen, wie sie sich bewegten.

Dieses Rätsel führte zu zahlreichen Spekulationen. Manche glaubten an orkanartige Winde, andere an magnetische Felder oder außerirdische Kräfte. Doch keine dieser Theorien konnte schlüssig erklären, wie derart schwere Steine sich ohne sichtbare Hilfe fortbewegen konnten.

Da es keine Augenzeugen gab, wurde das Phänomen zu einer echten Herausforderung für die Wissenschaft. Jahrzehntelang versuchten Forscher, das Geheimnis zu entschlüsseln – doch jede Untersuchung brachte nur neue Fragen statt Antworten.

Die bahnbrechende Forschung: Der Moment der Wahrheit

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Im Jahr 2011 beschlossen die Cousins Richard und James Norris, das Rätsel ein für alle Mal zu lösen. Sie statteten mehrere Felsen mit GPS-Trackern aus, installierten Hochgeschwindigkeitskameras und richteten eine Wetterstation ein, um jede Veränderung zu dokumentieren.

Obwohl sie sich auf jahrelange Wartezeit einstellten, geschah das Unerwartete bereits im Dezember 2013: Mehr als 60 Steine bewegten sich gleichzeitig. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde das Phänomen auf Video festgehalten.

Die Aufnahmen zeigten, dass sich die Steine mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 5 Metern pro Minute fortbewegten – ein Tempo, das mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar war, aber ausreichte, um die langen Spuren im Boden zu erklären.

Das Geheimnis der „laufenden“ Steine

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Entgegen aller mystischen oder übernatürlichen Theorien lag die Lösung in einer perfekten Kombination aus Eis und Wind.

Während des Winters bildet sich auf der Oberfläche der Wüste eine dünne Wasserschicht, die dann zu einer dünnen Eisschicht gefriert. Wenn die Sonne das Eis teilweise auftaut, brechen die Schollen auseinander und werden vom Wind über den Boden geschoben – dabei drücken sie die Steine sanft vorwärts.

Dieses Phänomen tritt nur alle zwei bis drei Jahre auf und erfordert extrem spezifische Bedingungen.

Auch wenn das Rätsel gelöst ist, bleibt Racetrack Playa ein einzigartiger Ort, an dem die Natur mit unserer Wahrnehmung spielt – und uns zeigt, dass das scheinbar Unmögliche doch möglich sein kann.

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