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Wissenschaft

Das dunkle Geheimnis des Meerestiers, das sich selbst klont: Gefahr für das Ökosystem?

Lerne den beunruhigenden Fall des Marmorkrebses kennen – ein Krebstier, das sich selbst klonen kann und Ökosysteme weltweit bedroht. Eine genetische Mutation steckt hinter seiner rasanten Verbreitung, doch der Ursprung dieses Phänomens bleibt ein Rätsel. Wie konnte ein einziges Weibchen Millionen von Klonen hervorbringen?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Stell dir ein Tier vor, das sich selbst klonen kann – das sich ohne Partner vermehrt und sich mit alarmierender Geschwindigkeit über den Planeten ausbreitet. Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist Realität: der Marmorkrebs, ein Lebewesen, das Wissenschaftler in Sorge versetzt.

Seine Fähigkeit zur asexuellen Fortpflanzung und seine Widerstandsfähigkeit haben dazu geführt, dass sich diese Art in Lebensräumen auf der ganzen Welt ausgebreitet hat. Doch woher stammt diese unheimliche Fähigkeit?

Die Mutation, die das Schicksal des Marmorkrebses veränderte

Der Marmorkrebs, wissenschaftlich bekannt als Procambarus virginalis, ist ein Süßwasserkrebs, der die Fachwelt seit seinem ersten Auftreten in den 1990er-Jahren verblüfft. Ursprünglich aus Deutschland stammend, gilt er als Mutation des Flusskrebses Procambarus fallax, der im Südosten der USA beheimatet ist. Das wirklich Aufsehenerregende aber ist seine Fähigkeit, sich ohne männliche Beteiligung fortzupflanzen.

Ein Team molekularbiologischer Forscher unter der Leitung von Frank Lyko vom Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckte, dass eine genetische Mutation hinter dieser einzigartigen Fähigkeit steckt. Der Marmorkrebs vermehrt sich durch Parthenogenese – das bedeutet, dass alle Nachkommen genetisch identische Klone der Mutter sind. So entstand aus einem einzigen Exemplar eine gesamte Population von Weibchen, die sich in rasanter Geschwindigkeit verbreitet hat.

Die Klonfähigkeit ist nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit bei komplexen Tieren bemerkenswert – sie hat auch ein beispielloses invasives Phänomen ausgelöst. In über drei Jahrzehnten hat sich dieser Krebs unaufhaltsam vermehrt und seine Präsenz in Europa, Asien und Afrika vervielfacht.

Die Umweltbedrohung: Zerstörung natürlicher Ökosysteme

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© Chucholl C.

Auch wenn der Ursprung der Mutation weiterhin ungeklärt ist, sind die Folgen offensichtlich. Der Marmorkrebs hat sich als invasive Art erwiesen, die einheimische Arten verdrängt und die Biodiversität in den betroffenen Lebensräumen massiv verändert. Seine Fähigkeit, Hunderte Eier gleichzeitig zu legen, und seine Widerstandskraft gegenüber unterschiedlichen klimatischen Bedingungen machen ihn zu einem ökologischen Superräuber.

Die Auswirkungen dieser Art waren in vielen Regionen verheerend – ihre Ausbreitung ist ohne historisches Vorbild. Innerhalb von nur zehn Jahren wuchs ihr Verbreitungsgebiet von 1.000 auf 100.000 Quadratkilometer an. Die Tatsache, dass in der Population keine Männchen existieren, bleibt ein Rätsel für die Forschung.

Ein genetisches Rätsel, das die Wissenschaft herausfordert

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© Chris Lukhaup / DKFZ.

Die genetische Analyse zeigt, dass der Marmorkrebs über ein drittes Chromosomenpaar verfügt, das ihm die Fähigkeit zur Fortpflanzung ohne Befruchtung verleiht. Doch wie genau diese Mutation entstand, ist nach wie vor unklar. Die gängigste Theorie geht davon aus, dass ein einzelnes Exemplar eine spontane genetische Veränderung durchlief, die die Massenklonung auslöste.

Dieses Phänomen weckt besonderes Interesse in der Zellbiologie, da einige Forschende Parallelen zur unkontrollierten Zellvermehrung bei Tumoren sehen. Laut Lyko könnten Studien an diesem Krebs wichtige Erkenntnisse über Prozesse wie das ungebremste Zellwachstum liefern, wie es bei bestimmten Krebsarten vorkommt.

Eine unaufhaltsame Bedrohung?

Der Marmorkrebs breitet sich weiter aus, während die Forschung daran arbeitet, sein Ursprungsrätsel zu entschlüsseln und mögliche biologische Auswirkungen zu verstehen. Während sich seine Vermehrung ungebremst fortsetzt, wächst die Sorge um seinen Einfluss auf die globale Artenvielfalt.
Wird es der Wissenschaft gelingen, eine Lösung zu finden – bevor es zu spät ist?

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