Letztes Jahr passierte einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter von Citigroup ein Fehler, der beispiellos in der Geschichte des Bankwesens ist: Eine fehlgeleitete Überweisung hätte eine Kundin oder einen Kunden zum reichsten Menschen aller Zeiten gemacht. Laut einem Bericht der Financial Times erhielt der oder die Glückliche im April versehentlich einen Geldeingang von unglaublichen 81 Billionen Dollar – statt der eigentlich vorgesehenen 280 Dollar.
Um diese Zahl ins richtige Verhältnis zu setzen: Citigroup selbst hat eine Marktkapitalisierung von nur rund 150 Milliarden Dollar. Die gesamte Wirtschaftsleistung der USA (BIP) beträgt etwa 27 Billionen Dollar, die der EU rund 17 Billionen und Chinas BIP liegt bei knapp 18 Billionen. Sprich: Der fälschlich überwiesene Betrag hätte die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaften der Welt zusammengerechnet überstiegen. Woher genau die Bank das Geld nehmen wollte, bleibt ein Rätsel. Und natürlich durfte der oder die Empfänger*in das Vermögen nicht behalten – nicht, dass es jemals wirklich existiert hätte.
Die „Fast-Katastrophe“ und wiederkehrende Milliarden-Fehler
Ob die Person, die den Fehler verursacht hat, ihren Job behalten durfte, ist unklar. In internen Gesprächen mit der US-Zentralbank (Federal Reserve) und dem Office of the Comptroller of the Currency (OCC) bezeichnete Citigroup den Vorfall als „Beinahe-Fehltritt“ – eine wohl ziemlich milde Beschreibung für einen so gigantischen Patzer. Wie die Financial Times berichtet, wurden keine realen Gelder aus der Bank bewegt.
Allerdings sind solche „Beinahe-Fehltritte“ in der Finanzwelt keine Seltenheit und haben sogar eine eigene Kategorie innerhalb der Branche. Diese umfasst Fehler, bei denen eine Bank zwar die falsche Summe verarbeitet, das Geld aber noch rechtzeitig zurückholen kann, bevor es regulatorische Konsequenzen gibt. Laut interner Berichte, die der FT vorliegen, gab es bei Citigroup allein im letzten Jahr zehn solcher „Near Misses“ mit Summen von über einer Milliarde Dollar – etwas weniger als die 13 Vorfälle im Jahr davor. Die Bank wollte sich zu dieser Serie von Fehlern nicht weiter äußern. Da „Beinahe-Fehltritte“ nicht den Regulierungsbehörden gemeldet werden müssen, gibt es auch keine öffentlichen Daten darüber, wie oft solche Vorfälle insgesamt im Bankensektor passieren.
Menschliches Versagen und ein automatisiertes Rettungssystem
Am Ende verhinderten automatisierte Sicherheitssysteme der Bank, dass die gigantische Transaktion tatsächlich durchging. Zwei menschliche Mitarbeiter*innen übersehen den Fehler zunächst, bis eine dritte Person rund 90 Minuten nach der Einleitung der Überweisung das Problem erkannte. Gegenüber der New York Times erklärte Citigroup: „Obwohl eine Zahlung dieser Größenordnung ohnehin nicht hätte durchgeführt werden können, haben unsere Kontrollsysteme den Eingabefehler zwischen zwei internen Ledger-Konten schnell erkannt und die Buchung rückgängig gemacht.“
Citigroup ist in der Vergangenheit bereits mit massiven Fehlern aufgefallen. Vor zwei Jahren führte ein Buchungsfehler zu einem plötzlichen Einbruch der europäischen Börse, wodurch Aktien im Wert von insgesamt 322 Milliarden Dollar vernichtet wurden. Die Strafe für diesen Finanz-Crash? Eine vergleichsweise lächerliche Geldbuße von 79 Millionen Dollar.
Die Redaktion von Gizmodo hat Citigroup um eine Stellungnahme gebeten und wird den Artikel aktualisieren, falls eine Antwort eingeht.