Ein neuer Milliarden-Deal rund um ein ehrgeiziges Kernfusions-Kraftwerk namens Xinghuo sorgt weltweit für Aufsehen. Ziel: saubere Energie aus Fusion und Spaltung – und das alles noch vor Ende des Jahrzehnts.
Laut der South China Morning Post entsteht das gigantische Projekt auf der Yaohu Science Island im Herzen Chinas. Kostenpunkt: satte 27,6 Milliarden US-Dollar. Xinghuo (was auf Deutsch so viel wie „Funke“ bedeutet) kombiniert zwei Technologien: Kernfusion und Kernspaltung – ein Hybridansatz, der Energieeffizienz auf ein ganz neues Level heben könnte.
Was steckt hinter Fusion und Fission?
Bei der Kernfusion verschmelzen zwei leichte Atomkerne zu einem schwereren – ein Prozess, bei dem gigantische Energiemengen freigesetzt werden. Genau das passiert auch in der Sonne. Das Problem: Auf der Erde ist die Technik bisher noch nicht effizient genug, um mehr Energie zu erzeugen, als sie verbraucht.
Kernspaltung hingegen ist die Technologie, die wir bereits in Atomkraftwerken nutzen: Ein schwerer Atomkern wird gespalten, was Energie freisetzt – allerdings auch radioaktiven Abfall. Der große Traum der Forschung ist eine saubere, sichere und ertragreiche Fusionsenergie – bisher allerdings ohne wirtschaftlich nutzbaren Durchbruch.
China greift nach den Sternen
Das Xinghuo-Projekt ist aber längst nicht Chinas einziger Vorstoß in Richtung Fusionskraft. Bereits Anfang 2025 sorgte der sogenannte „künstliche Sonnenreaktor“ EAST (Experimental Advanced Superconducting Tokamak) für Schlagzeilen. Er schaffte es, ein hochkonfiniertes Plasma über 1.066 Sekunden stabil zu halten – Weltrekord! Der vorherige lag bei „nur“ 403 Sekunden.
Auch international tut sich einiges: In den USA gelang dem National Ignition Facility des Lawrence Livermore National Laboratory 2022 ein echter Meilenstein. Die Forscher konnten erstmals bei einer Fusion mehr Energie gewinnen, als sie reingesteckt hatten – zumindest bezogen auf die direkte Reaktion (nicht aber auf den Gesamtenergieverbrauch der Anlage). Dennoch: ein historischer Schritt, der 2023 wiederholt werden konnte.
Ambitioniertes Ziel: Q > 30
Das wirklich Spektakuläre an Xinghuo: Der Reaktor soll einen sogenannten Q-Wert von über 30 erreichen. Zur Erklärung: Q steht für das Verhältnis zwischen erzeugter Fusionsenergie und der eingesetzten Energie. Zum Vergleich: Das weltweite Megaprojekt ITER in Südfrankreich strebt einen Q-Wert von 10 an. Und der bisherige Rekord der Amerikaner lag bei gerade einmal 1,5. Sollte China dieses Ziel erreichen, wäre es ein technologischer Quantensprung.
Wichtig zu wissen: Xinghuo ist kein reiner Fusionsreaktor, sondern eine Fusion-Fission-Kombination. Das könnte helfen, die bestehenden Limitierungen reiner Fusion zu überwinden – zumindest in der Übergangszeit.
Europa bleibt dran – mit Rückstand
Auch Europa forscht fleißig weiter. Der britische JET-Tokamak erreichte 2023 mit 69,26 Megajoule einen neuen Rekord – mehr als die 59 Megajoule des US-Versuchs. Zwar bedeutete das noch immer keinen Nettoenergiegewinn, aber es zeigt: Der Wettlauf um die Energie der Zukunft ist voll im Gange.
Nächste Schritte
Derzeit durchläuft Xinghuo eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die laut Medienberichten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Danach könnte der Bau richtig Fahrt aufnehmen – mit dem ehrgeizigen Ziel, bis 2030 einsatzbereit zu sein.
Fazit: Der ewige Traum wird greifbarer
Schon 2021 sagten Wissenschaftler gegenüber Gizmodo, dass sich die Kernfusion anfühlt wie ein Zweig für Tantalus – immer zum Greifen nah, aber nie wirklich erreichbar. Doch was lange nach Science-Fiction klang, könnte nun Realität werden. Mit Xinghuo setzt China ein deutliches Zeichen: Der Wettlauf um die Energie der Zukunft hat längst begonnen – und er ist spannender denn je.