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Wissenschaft

China wagt das Undenkbare: Sex im All zur Kolonisierung anderer Planeten?

China macht einen kühnen Schritt im Wettrennen um den Weltraum und experimentiert mit der Fortpflanzung von Makaken auf der Raumstation Tiangong. Ziel ist es, das größte Hindernis für die Besiedlung des Sonnensystems zu überwinden: die menschliche Reproduktion im All. Währenddessen scheint die NASA zwischen Budgetkürzungen und Musks kommerziellen Ambitionen zu stagnieren.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Weltraumforschung steht vor einer unerwarteten Hürde: der biologischen Fortpflanzung außerhalb der Erde. China stellt sich diesem Problem frontal und verwandelt seine Raumstation in ein Labor zur Erforschung der Fortpflanzung von Säugetieren unter Bedingungen der Mikrogravitation.

Währenddessen kämpft die NASA mit finanziellen Engpässen, und die Führungsrolle der USA im All gerät ins Wanken. Könnte dieses chinesische Projekt ein Wendepunkt in der interplanetaren Kolonisierung sein?

Der Schlüssel zur Kolonisierung: Fortpflanzung im All

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© SpaceX

Das wahre Hindernis für die Expansion der Menschheit im Sonnensystem liegt nicht im Bau von Raumschiffen oder der Erzeugung von Sauerstoff, sondern in der Biologie. Wenn wir den Mars oder andere Himmelskörper dauerhaft besiedeln wollen, müssen wir klären, wie sich Menschen im Weltraum fortpflanzen können.

China geht dieses Problem nun direkt an: In einem geplanten Experiment sollen Makaken auf der Raumstation Tiangong verpaart werden. Ziel ist es, herauszufinden, wie Mikrogravitation und kosmische Strahlung den Fortpflanzungsprozess beeinflussen. Die ersten Versuche finden im Modul Wentian statt – dem größten der Station –, das bereits für biologische Studien mit Fischen und Schnecken genutzt wurde.

Mehr als nur ein Experiment: Wie funktioniert Sex im All?

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© NASA.

Sex im All ist komplizierter, als man denkt. Schon der physische Kontakt in Schwerelosigkeit ist eine Herausforderung. Adam Watkins, Professor für Reproduktionsphysiologie an der Universität Nottingham, erklärt: Niedriger Blutdruck im All erschwert Erektionen – ein grundlegendes Problem für die Fortpflanzung.

Dazu kommt die fehlende Privatsphäre: Raumstationen sind nicht für Intimität gebaut. Frühere NASA-Missionen zeigen, dass enge Zusammenarbeit im All kaum Platz für körperliche Nähe lässt – wie im Fall der Astronauten Jan Davis und Mark Lee, die 1992 gemeinsam ins All flogen. Offiziell gab es nie Sex im All. Zwar konnten sowjetische Missionen Paarungen von Mäusen beobachten, doch endeten diese oft mit Fehlgeburten – ein möglicher Effekt der Mikrogravitation auf die Embryonalentwicklung.

Ein weiteres Problem: das emotionale Wohlbefinden der Tiere. Auch wenn die Makaken in Gefangenschaft aufgewachsen sind, könnten der Raketenstart und der lange Aufenthalt im All ihr Verhalten und ihren Appetit negativ beeinflussen. Die Forscher müssen Wege finden, den psychischen Zustand der Tiere zu stabilisieren, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Unsichtbare Bedrohung: Strahlung im All

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© iStock.

Neben der Schwerelosigkeit ist die kosmische Strahlung eine der größten Gefahren für die Fortpflanzung im Weltraum. Menschliche Fortpflanzungsorgane sind besonders empfindlich gegenüber subatomaren Partikeln. Trotz Schutzschilde können diese Strahlen Gewebe durchdringen und Schäden verursachen – mit potenziellen Folgen für Fruchtbarkeit und genetische Gesundheit.

Lange Aufenthalte im All senken zudem den Testosteronspiegel von Astronauten. Zwar normalisieren sich die Hormonwerte nach der Rückkehr zur Erde wieder, doch ist unklar, wie sich reduzierte Gravitation – wie etwa auf dem Mars mit nur 38 % der Erdanziehungskraft – langfristig auf den Hormonhaushalt auswirkt.

China legt vor – NASA verliert an Boden

Während China ambitioniert in Richtung Zukunft blickt, kämpft die NASA mit finanziellen Problemen und einer unklaren Strategie. Das Artemis-Programm, das die Rückkehr des Menschen auf den Mond und später zum Mars anstrebt, wurde mehrfach durch Haushaltskürzungen ausgebremst – unter anderem unter der Trump-Regierung.

Zwar arbeitet SpaceX weiterhin an der Starship-Rakete, mit der Menschen zum Mars gebracht werden sollen. Doch Kritiker befürchten, dass die kommerziellen Interessen von Elon Musk die wissenschaftliche Mission verdrängen. Das steht im Kontrast zur chinesischen Raumfahrtstrategie, die langfristig und staatlich gesteuert ist – in enger Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen.

Die nächste Dekade entscheidet über unsere kosmische Zukunft

Chinas Experiment zur Fortpflanzung im All könnte der Anfang einer neuen Ära sein. Wenn es gelingt, die biologischen Hürden zu überwinden, könnte das Reich der Mitte zum Vorreiter in der Kolonisierung des Sonnensystems werden – während eine strategielose NASA zurückfällt.

Die kommenden zehn Jahre werden entscheidend sein: Können wir die Erde wirklich verlassen – oder bleiben biologische Grenzen das letzte Hindernis auf dem Weg zu den Sternen?

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