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Wissenschaft

China plant eine Revolution bei Weltraumstarts: Das Ende herkömmlicher Raketen?

Ist es möglich, Raketen ohne Treibstoff zu starten? China arbeitet an einer magnetischen Startplattform, die den Zugang zum Weltraum grundlegend verändern könnte – mit niedrigeren Kosten und häufigeren Missionen. Erfahre, wie diese Technologie die Raumfahrtindustrie transformieren und Raketenstarts zur Routine machen könnte.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Das Wettrennen ins All entwickelt sich stetig weiter – und China scheint bereit, den nächsten großen Schritt in Richtung Effizienz und Nachhaltigkeit zu gehen. Während andere Nationen auf wiederverwendbare Raketen setzen, denken chinesische Ingenieure noch radikaler: Magnetischer Raketenstart. Sollte dieses Projekt Realität werden, könnte es das bisherige Verständnis vom Zugang zum All grundlegend verändern.

Magnetische Plattform: Die Zukunft des Raketenstarts?

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© iStock.

China plant, bis spätestens 2028 die erste elektromagnetische Startplattform für Raketen zu entwickeln. Ziel des ehrgeizigen Projekts ist es, Betriebskosten zu senken und die Startfrequenz deutlich zu erhöhen – bis hin zu einem Weltraumzugang, der so alltäglich ist wie Hochgeschwindigkeitszüge.

Das Konzept basiert auf Magnetschwebetechnologie, ähnlich der, die bei Schnellzügen eingesetzt wird – jedoch vertikal und für Raketen. Mit supraleitenden Magneten sollen Raketen auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt werden, bevor deren Triebwerke zünden. Das spart Treibstoff und erhöht die Nutzlastkapazität.

Die neue Technologie könnte die transportierbare Last im Vergleich zu herkömmlichen Methoden verdoppeln, während Wartungsaufwand und Betriebskosten gesenkt werden. Der langfristige Plan: Raketenstarts so berechenbar und häufig machen wie Zugfahrpläne.

Doch die Technik birgt Herausforderungen. Experten betonen, dass präzise Flugbahnen und Hitzebeständigkeit beim Start große technische Hürden sind, die vor einer breiten Umsetzung noch gemeistert werden müssen.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Privatunternehmen und Staat

Laut South China Morning Post wird die Plattform von der Privatfirma Galactic Energy in Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren wie der China Aerospace Science and Industry Corporation (CASIC) und der Stadtregierung von Ziyang entwickelt. Zudem sind mehrere Forschungsinstitute beteiligt – ein Zeichen für die staatliche Entschlossenheit, die technologische Führung im Weltraum zu übernehmen.

Bereits im September 2023 wurden erfolgreiche Tests mit hochtemperatursupraleitender Magnetschwebetechnik durchgeführt. In einem Versuch erreichte ein Objekt auf einer 380 Meter langen Strecke eine Geschwindigkeit von 234 km/h – ein klarer Fortschritt in Richtung praktischer Anwendung.

Galactic Energy, gegründet 2018, hat bereits 18 erfolgreiche Raketenstarts mit dem Modell Ceres-1 durchgeführt und insgesamt 77 Satelliten in den Orbit gebracht. Als nächstes soll Ceres-2 entwickelt werden – mit einer Tragkraft von bis zu 3,5 Tonnen, was eine deutliche Steigerung bedeutet.

Zwar scheiterte einer der Starts im Jahr 2023 aufgrund technischer Probleme, doch das Unternehmen arbeitet weiter an der Optimierung seiner Systeme. Es konnte bereits erfolgreiche Seestarts realisieren und gilt als Pionier der privaten Raumfahrtindustrie in China.

Innovation über die Erde hinaus: Mondprojekte und neue Horizonte

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Die magnetische Startplattform ist nicht das einzige Projekt Chinas im Weltraumbereich. Wissenschaftler erforschen auch den Einsatz elektromagnetischer Katapulte auf dem Mond, um Materialien wie Helium-3 ohne großen Treibstoffaufwand zur Erde zu schicken.

Zwar befinden sich diese Pläne noch in frühen Entwicklungsstadien, doch sie spiegeln Chinas langfristige Strategie wider: Führend in der nachhaltigen Raumfahrt zu werden. Die Nutzung elektromagnetischer Technologien könnte die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern – sowohl auf der Erde als auch im All.

Dank kontinuierlicher staatlicher Unterstützung und massiver Investitionen hat China bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt: die Landung auf der Rückseite des Mondes, die Erkundung des Mars und der Bau der Raumstation Tiangong. Das magnetische Startprojekt unterstreicht einmal mehr die Ambition, die neue Ära der Raumfahrt aktiv mitzugestalten.

Stehen wir vor einem Paradigmenwechsel in der Raumfahrt?

Wenn es gelingt, die technischen Hürden zu überwinden, könnte der magnetische Start einen gewaltigen Umbruch bedeuten. Raumfahrtmissionen würden von seltenen, teuren Ereignissen zu regelmäßigen Operationen, bei denen Ressourcen effizienter genutzt und der Zugang zum All demokratisiert wird.

Während der Rest der Welt auf wiederverwendbare Raketen und optimierte chemische Antriebe setzt, geht China einen völlig neuen Weg. Gelingt dieser, könnten wir vor einem neuen Kapitel in der Geschichte der Weltraumfahrt stehen – einem, in dem Starts so selbstverständlich sind wie Zugverbindungen.

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