Die enge Verbindung zwischen Elon Musk und der neuen Trump-Regierung sorgt für reichlich Spekulationen darüber, wie sich dies auf seine milliardenschweren Geschäfte auswirken könnte. Einerseits könnte Präsident Trump regulatorische Hürden für Tesla abbauen und SpaceX mit noch mehr Regierungsaufträgen versorgen. Andererseits könnten Märkte, die traditionell für die E-Mobilität offen, aber politisch gegen die neue Regierung eingestellt sind, Tesla zunehmend kritisch sehen – insbesondere nach den von Musk selbst vorangetriebenen Sparmaßnahmen.
Nun zeichnet sich eine weitere mögliche Folge dieser Situation ab: China könnte Tesla als Verhandlungsmasse in den laufenden Handelsgesprächen einsetzen.
China blockiert FSD-Einführung als Verhandlungsstrategie
Tesla verzeichnete 2024 keine Zuwächse im Fahrzeugverkauf, und um die extrem hohe Bewertung des Unternehmens zu rechtfertigen, setzt Musk nun alles auf Autonomie – sowohl in Form selbstfahrender Autos als auch humanoider Roboter. Seiner Ansicht nach liegt hier die wahre Zukunft, da das klassische Geschäft mit E-Autos zu margenarm sei. In seinen Quartalsberichten spricht er mittlerweile fast ausschließlich von einer Zukunft, in der autonome „Cybercabs“ die Straßen erobern und menschliche Fahrer überflüssig machen. Tesla hat begonnen, die „Full Self-Driving“ (FSD)-Technologie als optionales Upgrade für aktuelle Kunden auszurollen und plant, noch in diesem Jahr in Austin einen ersten autonom fahrenden Taxi-Dienst zu testen.
China ist Teslas zweitgrößter Markt, hat bisher jedoch keine Genehmigung für den FSD-Rollout erteilt. Trumps kürzlich verhängte 10%igen Zölle auf chinesische Exporte bieten China nun eine Möglichkeit, diese Genehmigung als Verhandlungstaktik einzusetzen. Laut der Financial Times:
„Chinesische Behörden erwägen, die Genehmigung für Teslas autonomes Fahren als Druckmittel in Handelsgesprächen mit Trump zu nutzen“, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. „Dies sei der Hauptgrund für die Verzögerung der Genehmigung.“
Die Genehmigung könnte bald erfolgen, wenn sich die Verhandlungen positiv entwickeln. Allerdings glaubt Tesla selbst nicht an eine schnelle Freigabe, es sei denn, es gibt eine „wesentliche Annäherung oder Konzession“ in den Gesprächen.
BYD setzt Tesla in China unter Druck
In China haben lokale Hersteller wie BYD Tesla bereits in vielen Bereichen überholt. Sie bieten extrem günstige Elektroautos an, was bedeutet, dass China Tesla nicht wirklich braucht. Präsident Trump hat jedoch einen handfesten Grund, Musk zu unterstützen: Dessen Super-PAC hat geholfen, seine Macht innerhalb der Republikanischen Partei zu festigen, indem es illoyale Politiker attackierte. Zudem war Musk eine zentrale Figur hinter der Anti-DEI- und Anti-Eliten-Rhetorik, die Trump in seiner Kampagne vertritt.
Datenrestriktionen und Teslas Trainingsstrategie
China erlaubt es Tesla nicht, Fahrdaten vor Ort zu sammeln, und die USA untersagen dem Unternehmen wiederum, in China zu trainieren – aufgrund von Exportbeschränkungen für sensiblen Tech-Content. Musk gab an, dass Tesla stattdessen seine KI-Systeme mit frei verfügbaren Videos chinesischer Straßen trainiert, die es aus den USA abrufen kann.
Aber selbst wenn Tesla die regulatorischen Hürden überwindet, bleibt fraglich, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, echte vollautonome Fahrten in großer Skalierung zu realisieren. Unternehmen wie Waymo haben es geschafft, autonome Fahrten ohne Sicherheitsfahrer anzubieten, Tesla hat jedoch bislang keine vergleichbare Demonstration auf die Straße gebracht.
Musk gegen E-Auto-Förderung
Interessanterweise spricht sich Musk offen gegen staatliche Förderungen für Elektroautos aus, obwohl Tesla selbst lange davon profitiert hat. Insbesondere die Steuervergünstigungen, die Konkurrenten wie Rivian stärker zugutekämen als Tesla, scheinen ihm ein Dorn im Auge zu sein. Kritiker werfen ihm vor, dass er diese Subventionen deshalb ablehnt, weil sie Wettbewerbern helfen, während Tesla mit seinen etablierten Margen weniger davon abhängig ist.
Fazit: Die nächsten vier Jahre unter Musks Einfluss?
Ob Handelsgespräche, regulatorische Fragen oder politische Machtspiele – Musk ist ein zentraler Akteur in der aktuellen geopolitischen Lage. Die nächsten vier Jahre dürften zeigen, wie sehr seine persönlichen Interessen und seine Geschäftsstrategien die politischen Entscheidungen der USA beeinflussen. Denn eines ist sicher: Wenn es nach Musk geht, dreht sich die Welt vor allem um ihn.