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Wissenschaft

China bohrt tiefer als je zuvor – und findet etwas, das alles verändern könnte

Während die Welt mit einer beispiellosen Energiekrise ringt, könnte eine unerwartete Entdeckung in den Tiefen des Südchinesischen Meeres das geopolitische Gleichgewicht verschieben. China behauptet, etwas gefunden zu haben, das nicht nur Rekorde bricht, sondern auch jahrzehntealte geologische Theorien infrage stellt. Und das ist nicht das einzig Überraschende daran.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Mit dem steigenden Energiebedarf beschleunigen die führenden Nationen der Welt ihre Suche nach neuen Brennstoffquellen. Inmitten dieses Wettlaufs hat China eine Entdeckung gemacht, die das globale Energiemodell neu definieren könnte. Dort, wo sich nur wenige an Bohrungen wagen, wurde etwas gefunden, das niemand erwartet hatte. Doch die wahre Tragweite reicht weit über Erdöl hinaus.

Chinas bislang größter Fund unter dem Meer

Die staatliche CNOOC (China National Offshore Oil Corporation) hat die Entdeckung eines riesigen Vorkommens von Kohlenwasserstoffen im Südchinesischen Meer bestätigt – in mehr als 5.000 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel. Das Bohrloch namens Huizhou 19-6 liegt etwa 170 Kilometer südöstlich von Shenzhen in der Provinz Guangdong und enthält schätzungsweise 100 Millionen Tonnen Erdöl und Erdgas von hoher Qualität.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Größe des Vorkommens – was etwa 740 Millionen Barrel Rohöl entspricht –, sondern auch der Ort des Fundes: ein geologisch bislang als uninteressant eingestuftes Gebiet. Das Südchinesische Meer ist im Durchschnitt nur rund 100 Meter tief, und dennoch wurde hier auf über 5.400 Meter gebohrt, um eine förderbare Schicht von 127 Metern zu erreichen.

Bereits in den ersten Tests wurden täglich 68.000 Kubikmeter Gas und 413 Barrel Erdöl gefördert – Zahlen, die auf sofortige Rentabilität hindeuten. Für ein Land, das täglich über 11 Millionen Barrel Rohöl importiert und diese Abhängigkeit selbst als dauerhafte finanzielle Belastung bezeichnet, ist das ein bedeutender Durchbruch.

Ein Fund, der traditionelle Geologie erschüttert

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© iStock.

Die Entdeckung von Huizhou 19-6 hat nicht nur energetische Auswirkungen, sondern stellt auch eine geologische Überzeugung grundlegend infrage: Dass sogenannte klastische Formationen – aus zerbrochenem Sedimentgestein bestehend – keine großen Mengen an Kohlenwasserstoffen enthalten könnten, insbesondere nicht in mariner Umgebung.

China hat das Gegenteil bewiesen. Dieses Vorkommen vereint Erdgas und Erdöl an einem Ort, was ohnehin selten ist – und das unter geologischen Bedingungen, die bislang als ungeeignet für solche Lagerstätten galten. Der Fund markiert nicht nur einen Paradigmenwechsel in der Tiefsee-Exploration, sondern könnte künftige Suchstrategien weltweit neu ausrichten.

Über den wirtschaftlichen Wert hinaus ist es ein symbolischer Erfolg im globalen Energiemachtkampf – und verschafft China eine strategische Position in seinem andauernden Machtstreit im Südchinesischen Meer. Die große Frage lautet nun: Wer findet als Nächstes etwas an einem Ort, den alle längst abgeschrieben hatten?

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