KI-Systeme werden abgeschaltet, um Schüler vom Schummeln abzuhalten
Wie verhindert man, dass Schüler:innen Künstliche Intelligenz nutzen, um bei ihren Abschlussprüfungen zu schummeln? Ganz einfach: Man kappt den Zugang. Laut Bloomberg haben chinesische KI-Unternehmen ihre Chatbots deaktiviert, um zu verhindern, dass Schüler:innen landesweit KI nutzen, um Antworten für die Aufnahmeprüfungen an Universitäten zu erschleichen.
Beliebte Chatbots wie Qwen von Alibaba und Doubao von ByteDance haben die Fotoerkennungsfunktionen blockiert, damit diese nicht zur Identifikation und Beantwortung prüfungsrelevanter Fragen verwendet werden können. Yuanbao von Tencent und Kimi von Moonshot wiederum deaktivierten den Zugriff auf Bildanalyse-Tools während der offiziellen Prüfungszeiten. Auch DeepSeek habe, laut The Guardian, ähnliche Maßnahmen ergriffen.
Fragen Schüler die Chatbots, warum diese Funktionen nicht mehr verfügbar sind, erhalten sie die Antwort: „Zur Sicherstellung der Fairness bei den Aufnahmeprüfungen kann diese Funktion während des Prüfungszeitraums nicht genutzt werden“, so Bloomberg. Wird versucht, ein Bild hochzuladen oder eine Prüfungsfrage zu stellen, antwortet der Chatbot: „Sie verstoßen gegen die Regeln.“
Schülerreaktionen und ein Klima der Frustration
Obwohl die Einschränkungen offenbar bei allen KI-Anbietern gleichermaßen greifen, hat keine der Firmen öffentlich über diese Maßnahmen informiert. Stattdessen verbreitete sich die Nachricht über soziale Netzwerke – durch die Schüler selbst. Viele äußerten Unmut und Unsicherheit darüber, dass sie die Tools nicht mehr nutzen können. Auch andere Nutzer:innen zeigten sich verärgert: „Alle, die zur Uni wollen, sind doch Mist“, schrieb jemand auf Weibo. „Ich kann keine Fotos mehr bei DeepSeek hochladen und muss wieder ChatGPT installieren. Ich hoffe, ihr landet alle auf der schlechtesten Uni.“
Der Ernst des „Gaokao“-Marathons
Der Prüfungszeitraum ist in China kein Kinderspiel. Die Aufnahmeprüfung, bekannt als Gaokao, erstreckt sich über drei Tage und entscheidet darüber, ob Schüler:innen einen Platz an einer Universität erhalten – und die sind streng limitiert. In diesem Jahr nehmen rund 13,3 Millionen Schüler:innen teil. Die Prüfungen dauern insgesamt neun Stunden, verteilt auf drei Tage. Die Verwendung von Handys oder Computern ist in dieser Zeit untersagt (was an sich schon ausreichen würde, um KI-Nutzung zu verhindern – doch China geht auf Nummer sicher).
Während Schüler blockiert werden, setzen Prüfungsbehörden selbst auf KI
Auch wenn Schüler:innen keine KI verwenden dürfen, scheint das für die Prüfungsaufsicht nicht zu gelten. Laut China Daily setzen mehrere Prüfungszentren KI-Überwachungssysteme ein, um „irreguläres Verhalten“ zu erkennen – etwa wenn Schüler:innen sich zuraunen oder durch Blicke Botschaften übermitteln, die menschliche Aufsichtspersonen womöglich übersehen würden.