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Wissenschaft

„Bullseye-Galaxie: Die spektakuläre Zielscheibe im All verblüfft mit rekordverdächtigen 9 Ringen“

Eine Galaxie im fernen Universum besitzt neun Ringe – und dank Hubble wissen Wissenschaftler nun, warum.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Das Hubble-Weltraumteleskop hat ein gigantisches kosmisches Zielscheibenmuster eingefangen: LEDA 1313424, besser bekannt als die Bullseye-Galaxie, die etwa 2,5-mal so groß wie die Milchstraße ist.

Trotz ihrer enormen Größe war es keine leichte Aufgabe, dieses Bild aufzunehmen. Die Bullseye-Galaxie liegt 567 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, was sie zu einem äußerst schwierigen Objekt macht, um sie im Detail zu erfassen. Doch Hubble ist ein erfahrener Beobachter ferner Galaxien, und das neue Bild zeigt mehr Ringe um die Bullseye-Galaxie als bisher bekannt.

Forscher haben nun bestätigt, dass die Bullseye-Galaxie insgesamt neun Ringe besitzt – acht davon sind für Hubble sichtbar. Die Existenz des neunten Rings konnte durch Daten des W. M. Keck Observatoriums nachgewiesen werden. Damit hat die Bullseye sechs Ringe mehr als jede andere bekannte Galaxie.

Ein kosmischer Einschlag mit einzigartigen Folgen

Noch faszinierender als die schiere Anzahl der Ringe ist jedoch die Art und Weise, wie die Bullseye-Galaxie sie gebildet hat. Wissenschaftler vermuten, dass eine winzige blaue Zwerggalaxie vor etwa 50 Millionen Jahren durch die Bullseye flog und dabei dieselbe physikalische Wirkung erzeugte, die ein ins Wasser geworfener Stein verursacht: konzentrische Wellen.

„Wir erleben die Bullseye-Galaxie in einem ganz besonderen Moment ihrer Geschichte“, erklärte Pieter G. van Dokkum, Astronom an der Yale University und Co-Autor einer Studie in The Astrophysical Journal Letters, in einer Pressemitteilung der NASA. „Es gibt nur ein sehr schmales Zeitfenster nach einem solchen Einschlag, in dem eine Galaxie so viele Ringe haben kann.“

Der gewaltige Zusammenstoß versetzte Gas, Staub und Sterne in Bewegung und erzeugte eine seltene konzentrische Struktur. Doch die blaue Zwerggalaxie wurde dabei nicht zerstört – tatsächlich ist sie als heller Fleck links neben der Bullseye-Galaxie auf dem Bild sichtbar. Ironischerweise existierte die Zielscheibenform erst nach der Kollision, da sie die Entstehung neuer Sterne auslöste. Mittlerweile sind die beiden Galaxien etwa 130.000 Lichtjahre voneinander entfernt.

Könnte ein zehnter Ring existieren?

Laut einer Mitteilung des Keck Observatoriums vermuten Forscher, dass es einst einen zehnten Ring gab, der jedoch mit der Zeit verblasst ist. Dieser könnte sich drei Mal weiter außen befinden als der äußerste Ring auf dem aktuellen Bild.

An Illustration Comparing The Size Of The Milky Way To The Bullseye
Eine Illustration, die die Größe der Milchstraße mit der Bullseye-Galaxie vergleicht. Image: NASA, ESA, Ralf Crawford (STScI)

„Wenn wir die Galaxie von oben betrachten könnten, würden die Ringe kreisförmig erscheinen, wobei sie sich im Zentrum dichter aneinander drängen und weiter außen zunehmend auseinandergezogen sind“, erklärte Imad Pasha, Doktorand an der Yale University und Hauptautor der Studie, in der NASA-Mitteilung.

Die Bullseye-Galaxie ist also kein perfekter Satz konzentrischer Kreise – doch sie bleibt ein spektakulärer Anblick und ein Fenster in die Vergangenheit ihrer galaktischen Wechselwirkungen mit ihrem einstigen kosmischen Eindringling.

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