Die Authors Guild, eine der größten Schriftstellervereinigungen Amerikas, startet ein neues Projekt zur Zertifizierung von Büchern, die von Menschen und nicht von Maschinen geschrieben wurden. Das neue Human Authored-Zertifikat soll Autoren helfen, ihre Werke zu kennzeichnen und Lesern die Gewissheit geben, dass das Buch, für das sie bezahlen, mit echter Kreativität und Mühe entstanden ist. Schließlich will niemand seine kostbare Zeit mit einem Buch verschwenden, das ohne Hingabe und Sorgfalt verfasst wurde.
Ein Zeichen gegen seelenlose AI-Texte
Das Zertifikat steht zunächst nur Mitgliedern der Authors Guild zur Verfügung, soll aber in Zukunft auch für Nicht-Mitglieder geöffnet werden. Eine öffentliche Datenbank wird es ermöglichen, Bücher mit dem Human Authored-Siegel einzusehen. Um sich zu qualifizieren, müssen Bücher fast vollständig von Menschen geschrieben sein – mit der Ausnahme von AI-gestützten Grammatiktools wie Grammarly.
Grundsätzlich ist das eine gute Entwicklung, da Leser sichergehen können, keine seelenlosen AI-generierten Texte zu lesen. Gleichzeitig impliziert das neue Zertifikat, dass AI-generierte Inhalte in Zukunft die Norm sein werden – ein beunruhigender Gedanke. Dass einige Menschen glauben, eine Maschine könne Kunst ebenso gut oder gar besser erschaffen als ein Mensch, ist eine bedenkliche Vorstellung. Generative AI kann keine originellen Gedanken haben oder persönliche Erfahrungen teilen. Sie sammelt lediglich Informationen aus dem Internet und gibt diese wieder – nicht anders als ein Papagei, der nur das nachplappert, was er gehört hat.
Die wachsende Flut an AI-generierten Büchern
Aus finanziellen Gründen oder purer Bequemlichkeit sind bereits zahllose AI-generierte Bücher auf Amazon aufgetaucht. Kürzlich wurde sogar eine bekannte Romanautorin dabei erwischt, AI-generierte Inhalte in einem neu veröffentlichten Buch zu verwenden – versehentlich hatte sie unbearbeitete AI-Ausgaben übernommen. Ob es uns gefällt oder nicht, AI erobert die Buchbranche.
Eigentlich sollten AI-generierte Bücher diejenigen sein, die sich kennzeichnen müssen, aber es ist einfacher, menschliche Autoren dazu zu bringen, ihre Werke auszuweisen, als jeden Verlag zu zwingen, den AI-Anteil seiner Bibliothek offenzulegen.
Wer sich in letzter Zeit auf X oder LinkedIn bewegt hat, kennt das Problem bereits: Eine Flut generischer Inhalte, die oft eine ähnliche Struktur und Sprache aufweisen und offensichtlich von gängigen AI-Modellen generiert wurden. Beiträge wie „Der Aufstieg generativer AI wirft ernsthafte Fragen zur Zukunft der Arbeit auf“ sind inhaltsleer und tragen nichts Neues zur Diskussion bei.
„Die Human Authored-Initiative lehnt Technologie nicht ab – sie schafft Transparenz, würdigt das Bedürfnis der Leser nach menschlicher Verbindung und feiert die einzigartigen menschlichen Elemente des Geschichtenerzählens“, erklärte Mary Rasenberger, CEO der Authors Guild, gegenüber The Verge.
Angesichts wachsender Sorgen, dass Unternehmen AI nutzen, um billige Arbeitskräfte zu ersetzen – selbst wenn die Ergebnisse nicht dieselbe Qualität haben – wächst die Überzeugung, dass menschliche Kreativität wichtiger denn je sein wird. AI-Befürworter argumentieren, dass Technologie die Effizienz steigern kann, doch letztlich braucht es den Menschen, um Arbeit mit einer Seele zu versehen. So könnten generative AI-Videotools helfen, Animationsfilme günstiger zu produzieren, aber echte Kreativität bleibt entscheidend, um etwas Sehenswertes zu erschaffen. Ähnlich wie bei handgefertigten Kunstwerken könnte es in Zukunft einen Markt für Literatur geben, die bewusst als „menschlich geschaffen“ gekennzeichnet wird.
Die US-Urheberrechtsbehörde hat kürzlich klargestellt, dass ausschließlich mit AI erstellte Werke keinen Urheberrechtsschutz genießen, da der Mensch wenig bis keine Kontrolle über das Endprodukt hat. „Das Urheberrecht erstreckt sich nicht auf rein AI-generierte Inhalte oder Werke, bei denen es an ausreichender menschlicher Kontrolle über die kreativen Elemente fehlt“, heißt es in einem aktuellen Bericht. Werke, die von Menschen geschaffen wurden und in Teilen AI nutzen – etwa ein Comic, bei dem AI für bestimmte visuelle Elemente eingesetzt wurde – können jedoch weiterhin geschützt werden. Das Urheberrecht dient dem Schutz originärer, von Menschen geschaffener Werke und soll deren Schöpfer für ihre kreative Arbeit belohnen. Wenn ein Bot die gesamte Arbeit übernimmt, kann man kaum noch von menschlicher Urheberschaft sprechen.