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Wissenschaft

Brocken von Alpha Centauri – Unserem nächsten Sternnachbarn – könnten bereits hier sein

Ein neues Forschungspapier untersucht, wie viel Material aus dem nächstgelegenen Sternensystem zur Erde in den Orbit der Sonne gelangt ist und wie viel davon bereits hier sein könnte.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Unser nächster stellare Nachbar, Alpha Centauri, bewegt sich langsam und stetig auf uns zu. In etwa 3.000 Jahren wird dieses dreifache Sternensystem seinen nächsten Punkt zur Erde erreichen. Doch eine neue Studie legt nahe, dass Material von Alpha Centauri bereits jetzt seinen Weg in unser Sonnensystem gefunden hat – und dass noch mehr unterwegs ist.

Alpha Centauri ist derzeit 4,37 Lichtjahre von der Erde entfernt – eine relativ kurze Distanz aus kosmologischer Sicht. Das neugierige Nachbarsystem besteht aus drei Sternen: den sonnenähnlichen Sternen Alpha Centauri A und Alpha Centauri B sowie einem roten Zwerg namens Proxima Centauri. Während sich dieses geschäftige Sternensystem durch den Kosmos bewegt, schleudert es Material in den interstellaren Raum.

Laut einer Studie, die zur Veröffentlichung im Planetary Science Journal angenommen wurde, sind in den letzten 10 Millionen Jahren rund eine Million Objekte von Alpha Centauri in unser Sonnensystem eingedrungen.

Im Jahr 2017 durchquerte ein langgestrecktes, zigarrenförmiges Objekt namens „Oumuamua“ unangekündigt unser Sonnensystem. Es war das erste bekannte interstellare Objekt, das uns einen Besuch abstattete. Seine Herkunft blieb jedoch weitgehend mysteriös: Woher kam dieser seltsame Weltraumfelsen?

Um interstellare Objekte besser zu verstehen, nutzten die Forscher hinter der neuen Studie Alpha Centauri als Fallbeispiel und untersuchten, ob Material aus diesem nahegelegenen Sternensystem in die Umlaufbahn um die Sonne gelangen könnte. Im All ist alles in ständiger Bewegung: Gravitationskräfte, Magnetfelder und interstellarer Widerstand ziehen Objekte in Richtung unseres Sonnensystems. Laut der Studie überleben nur Objekte, die größer als 10 Mikrometer sind, die Reise.

Mithilfe von Computermodellen, die die Ankunft von Material aus Alpha Centauri in der relativ jüngeren Vergangenheit simulierten, stellten die Forscher fest, dass etwa eine Million Objekte, die größer als 100 Meter sind, im Oortschen Wolkengebiet lauern könnten. Die Oortsche Wolke ist eine riesige, kugelförmige Blase, die die Sonne umgibt und die entfernteste Region unseres Sonnensystems darstellt.

Angesichts der großen Entfernungen wären diese Objekte extrem schwer zu entdecken. Die Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Objekte innerhalb von 10 Astronomischen Einheiten (AE) zur Sonne ist, liegt bei eins zu einer Million. Eine AE ist der durchschnittliche Abstand von der Erde zur Sonne, sodass 10 AE einer Entfernung in der Nähe der Umlaufbahn des Saturn entsprechen.

„Jedes Material, das das System derzeit mit geringer Geschwindigkeit verlässt, würde mehr oder weniger in Richtung Sonnensystem unterwegs sein“, heißt es in der Studie.

Zur Klarstellung: Die Studie basiert auf Computermodellen und ist eine theoretische Überlegung – Astronomen haben bisher kein interstellares Material aus Alpha Centauri nachweisen können. Sollte solches Material jedoch existieren, wäre seine Identifizierung ein entscheidender erster Schritt. Denn das Studium von Bruchstücken aus diesem nahegelegenen Sternensystem könnte wertvolle Einblicke in Alpha Centauri liefern.

Proxima Centauri hat zwei Exoplaneten in seiner Umlaufbahn: einen erdähnlichen Planeten innerhalb der habitablen Zone – jenem Bereich, in dem flüssiges Wasser auf der Oberfläche existieren kann – sowie eine Supererde, die weiter außen liegt. Alpha Centauri A wird verdächtigt, einen Neptun-ähnlichen Exoplaneten zu beherbergen, doch die Wissenschaft hat dessen Existenz bisher nicht bestätigt.

Es ist wahrscheinlich, dass noch mehr Planeten das dreifache Sternensystem umkreisen – und einige davon könnten bewohnbar sein. Daher könnte das Verständnis interstellarer Materialien, die von Alpha Centauri stammen, neue Einblicke in die Planetenentstehung und die Suche nach Leben auf Exoplaneten liefern.

 

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