Ein Fass ohne Boden: Starliner verschlingt weiteres Vermögen
Fast fünf Monate nach der unbemannten Rückkehr des Starliner-Raumschiffs von der Internationalen Raumstation (ISS) musste Boeing erneut massive Verluste einräumen. Laut einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC beliefen sich die Zusatzkosten für das Programm allein im Jahr 2024 auf 523 Millionen Dollar. Damit summieren sich die Verluste auf insgesamt unglaubliche 2 Milliarden Dollar. Der Konzern macht „hochkomplexe Designs und technische Herausforderungen“ sowie „Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen“ für das Desaster verantwortlich.
Unter dem 4,2-Milliarden-Dollar-Vertrag mit der NASA gehört Starliner weiterhin Boeing, während die NASA lediglich als Kunde auftritt. Nach dem gescheiterten bemannten Testflug zur ISS musste Boeing bereits im dritten Quartal 250 Millionen Dollar Verlust verbuchen – zusätzlich zu den 125 Millionen Dollar aus dem zweiten Quartal. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, dass die Verluste im vierten Quartal noch drastischer ausfallen würden. Und genau das ist nun eingetreten.
Starliners verpatzter erster Crew-Flug
Am 5. Juni 2024 startete die CST-100 Starliner mit den NASA-Astronauten Butch Wilmore und Sunni Williams an Bord zu ihrem ersten bemannten Testflug zur ISS. Doch schon beim Anflug begannen die Probleme: Fünf der Triebwerke fielen aus, und es wurden insgesamt fünf Helium-Lecks festgestellt – eines davon sogar schon vor dem Start.
Nachdem Starliner schließlich angedockt hatte, blieb das Raumschiff ganze drei Monate an der ISS. Die Bodenteams waren sich unsicher, ob ein sicherer Rückflug für die Astronauten möglich war. Nach langer Diskussion fiel die Entscheidung: Starliner sollte unbemannt zurückkehren, während Wilmore und Williams mit SpaceX‘ Crew Dragon zur Erde zurückgebracht wurden. Am 6. September 2024 dockte Starliner ohne Besatzung von der ISS ab und ließ die Astronauten zurück.
Kurz darauf zog die NASA die Notbremse und stoppte alle weiteren geplanten Starliner-Missionen zur ISS. Stattdessen wird SpaceX mit seiner Crew Dragon in absehbarer Zeit alle bemannten NASA-Flüge übernehmen. Die nächste Crew-10-Mission von SpaceX ist für März geplant, gefolgt von Crew-11 im Juli – während Boeing weiter am Boden bleibt.
Gibt Boeing sein Raumfahrtgeschäft auf?
Nach diesem desaströsen Verlauf könnte Boeing sich komplett aus der Raumfahrt zurückziehen. Laut Berichten prüft das Unternehmen den Verkauf von Teilen seines Raumfahrtgeschäfts, darunter das Starliner-Programm. Lediglich die Bauteile für NASAs Space Launch System (SLS) sollen offenbar weiter in Boeings Besitz bleiben.
Angesichts der horrenden Verluste wäre es für Boeing nur logisch, das kostspielige Starliner-Projekt abzustoßen. Für die NASA bedeutet das jedoch, dass sie vorerst nur auf einen einzigen Anbieter für bemannte Raumflüge setzen kann: SpaceX. Genau diese Monopolstellung wollte die US-Weltraumbehörde mit den zwei kommerziellen Crew-Verträgen aus dem Jahr 2014 eigentlich verhindern. Doch angesichts von Boeings anhaltendem Scheitern bleibt SpaceX aktuell die einzige zuverlässige Option.