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Wissenschaft

Bewegung macht den Unterschied: So verändert Sport den Umgang unseres Körpers mit gesättigten Fetten

Neue Forschungsergebnisse aus dem Vereinigten Königreich legen nahe, dass Ausdauertraining unseren Körper deutlich effizienter im Umgang mit gesättigten Fettsäuren machen kann – ein Effekt, der selbst bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sichtbar wird, sobald sie regelmäßig Sport treiben.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ein altbekannter Paradox bekommt frischen Wind

Das Forscherteam der University of Aberdeen ging einem biologischen Rätsel auf den Grund, das man als „Athleten-Paradox“ kennt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass sowohl Ausdauersportler als auch Menschen mit Typ-2-Diabetes überraschend hohe Mengen an Fett in ihren Muskelzellen speichern – obwohl sie ansonsten kaum unterschiedlicher sein könnten. Sportler haben in der Regel ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine deutlich höhere Insulinsensitivität, während Diabetiker oft genau daran leiden, Insulin nicht richtig zu verarbeiten oder zu produzieren.

Um diesen Widerspruch näher zu beleuchten, rekrutierten die Forschenden 29 männliche Ausdauersportler sowie 30 Typ-2-Diabetiker. Dann wurde’s spannend.

Körpertausch light: Sportler und Diabetiker im Alltagstest

Zunächst wurden den Teilnehmenden geringe Mengen verschiedener Fette über eine Infusion verabreicht, während MRT-Scans der Oberschenkelmuskulatur aufzeichneten, wie genau diese Fette in den Muskelzellen verarbeitet wurden. Zusätzlich gab es Biopsien aus den Muskelzellen sowie eine Reihe von Stoffwechselmessungen.

Und dann kam der ungewöhnliche Teil: Für acht Wochen tauschten die Gruppen quasi ihre Lebensweise. Die Sportler legten eine Trainingspause ein, während die Diabetiker ein Ausdauerprogramm durchzogen – etwa fünf Stunden Sport pro Woche. Danach wurden sämtliche Tests wiederholt.

Das Ergebnis: Der Körper lernt schnell

Die ursprünglichen Ergebnisse bestätigten den bekannten Unterschied: Die Muskeln der Sportler speicherten mehr gesättigte Fette als die der Diabetiker – konnten sie aber auch viel effektiver verbrennen. Die Diabetiker hingegen lagerten eher ungesättigte Fette ein und taten sich schwer mit dem Abbau beider Fettarten.

Nach den acht Wochen jedoch änderte sich das Bild deutlich: Die zuvor sportlich inaktiven Diabetiker konnten nun gesättigte Fette fast genauso effizient speichern und abbauen wie die Sportler, die während der Studie pausierten. Die Körper der beiden Gruppen begannen sich metabolisch einander anzugleichen.

„Diese Ergebnisse sind absolut neu und zeigen, wie körperliche Aktivität direkt den Fettstoffwechsel verbessert – insbesondere im Umgang mit gesättigten Fettsäuren“, erklärt Studienleiterin Dana Dawson, Professorin für Kardiologie an der Universität Aberdeen.

Bewegung wirkt auf vielen Ebenen

So spannend die Erkenntnisse auch sind – die Studie basiert auf einer eher kleinen Teilnehmerzahl. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob sich diese Ergebnisse auch auf größere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen. Dennoch passt die Studie gut ins bisherige Gesamtbild: Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf eine Vielzahl körperlicher Prozesse aus, und der Umgang mit Fetten könnte nur ein weiterer Punkt auf der langen Liste sein.

Doch damit nicht genug: Die Diabetiker, die in der Trainingsphase aktiv wurden, konnten auch deutlich messbare gesundheitliche Verbesserungen erzielen. Sie nahmen ab, ihre Insulinsensitivität stieg, und ihre Werte für Cholesterin, Triglyzeride und Nüchternblutzucker sanken – allesamt klassische Risikofaktoren für Folgeerkrankungen, die sich durch Bewegung reduzieren lassen.

150 Minuten, die sich lohnen

Die Empfehlung der Fachleute ist klar: Wer sich bislang wenig bewegt, sollte damit anfangen – aber ohne sich zu überfordern. „Wichtig ist, eine Aktivität zu finden, die Spaß macht und die man langfristig durchziehen kann“, sagt Bryan Williams, wissenschaftlicher Leiter der British Heart Foundation. „Am besten arbeitet man sich auf 150 Minuten Bewegung pro Woche hin – etwa zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren.“

Ob zum Fettabbau, zur Gewichtsreduktion oder zur Stabilisierung des Blutzuckers – Bewegung zeigt einmal mehr, wie sehr sie als einfaches, aber wirksames Mittel gegen viele gesundheitliche Probleme wirken kann. Und diese Studie legt nahe: Unser Körper passt sich schneller an, als man vielleicht denkt.

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