Sport als Prävention – aber nicht gegen jede Krebsart
Die Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Cancer Cell, analysierte Daten aus der PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial), einer groß angelegten Langzeitstudie mit über 60.000 Teilnehmer*innen im Alter von 55 bis 74 Jahren. Keiner von ihnen hatte zu Beginn der Erhebung eine Krebserkrankung.
Schon damals wurden die Proband*innen gefragt, ob sie regelmäßig Sport treiben. Über mehr als zehn Jahre hinweg wurden dann alle Krebsdiagnosen und Todesfälle dokumentiert.
Das Fazit: Menschen, die sich regelmäßig bewegten, hatten insgesamt ein geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Kopf-Hals-Krebs, Brustkrebs und Lungenkrebs. Für andere Krebsarten wie Darm- oder Eierstockkrebs zeigte sich hingegen kein klarer Effekt. Bei zwei Krebsarten – Prostatakrebs und Melanom – war die Rate bei sportlich Aktiven sogar leicht erhöht, wobei nicht geklärt ist, ob dieser Zusammenhang wirklich kausal ist.
Mehr Sport = mehr Schutz?
Spannend ist auch der sogenannte Dosis-Wirkungs-Effekt: Je mehr Sport die Teilnehmer*innen trieben, desto stärker war der gesundheitliche Einfluss – im Positiven wie im Negativen. Das deutet darauf hin, dass die Menge an Bewegung durchaus entscheidend ist, auch wenn die Reaktionen im Körper je nach Krebsart unterschiedlich ausfallen können.
Studienautor Lee Jones, Sportwissenschaftler am renommierten Memorial Sloan Kettering Cancer Center, betont, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt. Das bedeutet: Es lässt sich zwar ein Zusammenhang feststellen, aber kein direkter Beweis für Ursache und Wirkung. Trotzdem liefert die Analyse wertvolle Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität eine wichtige Rolle in der Krebsprävention spielen kann.
Wer fit ist, lebt länger – auch mit Krebs
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Selbst bei den Teilnehmer*innen, die später an Krebs erkrankten, war die Sterblichkeitsrate unter den Sportlich-Aktiven deutlich niedriger. Heißt konkret: Wer sich regelmäßig bewegt, hat offenbar auch nach einer Krebsdiagnose bessere Chancen, länger zu leben – unabhängig davon, ob die Erkrankung durch den Sport verhindert werden konnte oder nicht.
„Unsere Ergebnisse stützen die Empfehlung, regelmäßige Bewegung zur Vorbeugung bestimmter Krebsarten zu nutzen“, so Jones. „Auch wenn nicht alle Krebsformen beeinflusst werden, zeigt sich ein klarer Überlebensvorteil bei denjenigen, die körperlich aktiv bleiben.“
Nächste Schritte: Wie genau hilft Bewegung dem Körper?
Jones und sein Team wollen jetzt noch genauer verstehen, warum Sport einen solchen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Krebs haben kann. In aktuellen Studien mit Mensch und Tier untersuchen sie, wie Bewegung die Zellbiologie in Organen wie Brust oder Darm verändert – etwa durch bessere Durchblutung, veränderte Hormonspiegel oder verbesserte Immunreaktionen.
Langfristig soll es sogar klinische Studien geben, die testen, ob bestimmte Trainingspläne gezielt zur Krebsprävention eingesetzt werden können.
Bewegung lohnt sich – jetzt erst recht
Bis dahin bleibt Bewegung eine der besten Entscheidungen, die man für seine Gesundheit treffen kann. Wer regelmäßig Sport treibt, senkt nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen – sondern eben auch für bestimmte Krebsarten.
Und selbst im Fall einer späteren Erkrankung scheint ein aktiver Lebensstil die Überlebenschancen zu verbessern.
„Unsere Daten stärken die Rolle von Bewegung als wichtiger Baustein in der Krebsprävention“, fasst Jones zusammen. Oder einfacher gesagt: Wer sich bewegt, lebt nicht nur besser – sondern oft auch länger.