Zum Inhalt springen
News

Beunruhigendes Panorama: Riesige Flutwellen in US-Flüssen aus dem All entdeckt

Eine gemeinsame Mission von NASA und Virginia Tech hat drei gigantische „Flusswellen“ identifiziert, die sich über Hunderte Kilometer durch Flüsse der Vereinigten Staaten ausbreiteten. Diese Wasserwände, vom SWOT-Satelliten aus beobachtet, entstanden nach Starkregen oder Schneeschmelze – und könnten unsere Strategien zum Schutz vor Extremüberschwemmungen grundlegend verändern.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Ein neuer Durchbruch in der Satellitenbeobachtung konfrontiert die Wissenschaft mit einer bisher kaum bekannten Flutgefahr. Der 2022 gestartete Satellit SWOT hat erstmals riesige Wellenbewegungen in Flüssen aus dem All sichtbar gemacht. Diese Erkenntnisse liefern entscheidende Daten über Entstehung, Geschwindigkeit und Reichweite unvorhersehbarer Überflutungen. Das Verständnis ihrer Dynamik wird entscheidend sein, um gefährdete Gemeinden und Infrastrukturen zu schützen.

Flusswellen: Wasserwände aus dem All gesichtet

2
© Unsplash


NASA und Virginia Tech nutzten SWOT-Daten, um erstmals aus dem All drei massive Flutwellen in US-Flüssen zu messen. Im Gegensatz zu Meereswellen, die vom Wind erzeugt werden, transportieren diese großflächigen Flusswellen enorme Wassermengen flussabwärts – ausgelöst durch Starkregen, Schneeschmelze oder den Bruch von Eisdämmen. Sie verhalten sich wie rollende Wasserwände mit abruptem Einschlag auf stromabwärts gelegene Gebiete.

„Ziel ist es, die Dynamik der Flüsse zu verstehen – denn sie sind die Arterien des Planeten“, erklärte Cedric David, Hydrologe am Jet Propulsion Laboratory der NASA.

SWOTs Schlüsseltechnologie: KaRIn scannt die Wasseroberfläche

Der SWOT-Satellit (Surface Water and Ocean Topography), entwickelt von NASA und der französischen Raumfahrtagentur, ist mit dem KaRIn-Radar ausgestattet. Dieses sendet Mikrowellen zur Wasseroberfläche und misst die Rückkehrzeit des Signals – so kann es Höhe und Breite von Flüssen, Seen und Ozeanen mit hoher Präzision erfassen.
„Neben dem Wasservolumen erfassen wir auch dessen Bewegung und dynamische Auswirkungen“, erklärte Nadya Vinogradova Shiffer, Programmwissenschaftlerin in Washington.

Drei extreme Szenarien: Yellowstone, Colorado und Ocmulgee

3
© AS.


Bei der Analyse identifizierte Hana Thurman (Virginia Tech) drei riesige Flusswellen:

  • Yellowstone River (Montana, April 2023): 2,8 m hohe Welle mit 11 km breiter Spitze, ausgelöst durch den Bruch eines Eisdamms, bewegte sich Richtung Missouri River.

  • Colorado River (Texas, Januar 2024): Über 9 m hohe Welle, die sich über 267 km erstreckte und mehr als 400 km bis zur Matagorda Bay wanderte, mit einer Geschwindigkeit von 1,07 m/s.

  • Ocmulgee River (Georgia, März 2024): 6 m hohe Welle mit 165 km Länge, bewegte sich über 200 km mit 0,33 m/s stromabwärts.

Diese Daten liefern detaillierte Erkenntnisse über Form, Geschwindigkeit und Ausbreitung der Wellen über lange Distanzen hinweg.

Neue Perspektiven für den Hochwasserschutz

Solche Flusswellen stellen eine schwer vorhersagbare Gefahr dar – besonders vom Boden aus. „Das kann uns helfen, besser zu verstehen, wie schnell eine Flut ankommt und ob eine Infrastruktur gefährdet ist“, sagte Thurman.

Der neue satellitengestützte Ansatz ebnet den Weg für präzisere Frühwarnsysteme, resiliente Infrastrukturen und flussübergreifende Planung mit globalen Daten.

In einer Welt, in der der Klimawandel extreme Wetterereignisse häufiger macht, könnte die Fähigkeit, solche Flutwellen aus dem All zu erkennen, den Unterschied zwischen Zerstörung und Schutz bedeuten. Wasser und Wolken sind nicht mehr nur am Himmel oder auf der Erde – sie sind jetzt auch im Blickfeld der Satelliten.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel