Achtung, The Last of Us! Die Wissenschaft hat einen experimentellen Impfstoff entwickelt, der gegen verschiedene Pilzarten wirken könnte – darunter auch gegen jene, die vaginale Candidose auslösen.
Forscher der Universität von Georgia haben den Impfstoff mit dem Namen NXT-2 entwickelt. In ihrer jüngsten Studie mit Mäusen schien NXT-2 die Tiere vor dem Hefepilz Candida albicans zu schützen – dem häufigsten Erreger von Vaginalinfektionen. Nun plant das Team, klinische Studien mit Menschen durchzuführen.
Eine neue Waffe gegen altbekannte Pilze
Im Vergleich zu Bakterien oder Viren machen Pilze Menschen seltener krank. Dennoch gibt es häufige Pilzinfektionen wie Candidose oder Fußpilz, die sehr unangenehm sein können. Für immungeschwächte oder gesundheitlich angeschlagene Menschen können Pilzinfektionen sogar lebensbedrohlich werden.
Zudem nehmen Pilzinfektionen weltweit zu – möglicherweise durch den Klimawandel. Normalerweise bevorzugen Pilze kühlere Temperaturen als die unseres Körpers, aber einige Arten haben sich bereits angepasst und sind toleranter geworden.
Ein weiteres Problem: Uns fehlen effektive Mittel im Kampf gegen Pilze. Es gibt deutlich weniger Antimykotika als Antibiotika – und bisher keinen einzigen zugelassenen Impfstoff. Selbst wenn neue Medikamente entwickelt werden, lässt ihre Wirksamkeit mit der Zeit nach, da Pilze resistent werden können. Deshalb hoffen die Forscher der UGA, dass ihr „pan-antimykotischer“ Impfstoff langfristig helfen könnte – vor allem gegen einige der gefährlichsten Erreger weltweit.
Erste Ergebnisse: Vielversprechender Schutz im Mausmodell
Frühere Tierversuche zeigten bereits, dass NXT-2 Infektionen durch drei der häufigsten pathogenen Pilze beim Menschen verhindern oder abschwächen konnte – zusammen sind sie für rund 80 % aller tödlichen Pilzinfektionen verantwortlich. Die aktuelle Studie, veröffentlicht in NPJ Vaccines, testete den Impfstoff speziell gegen vaginale Candidose bei Mäusen.
Die Ergebnisse waren beeindruckend: Der Impfstoff löste eine starke Immunantwort gegen C. albicans aus – auch im Vaginalgewebe. Die geimpften Mäuse hatten deutlich weniger Pilzbefall sowie geringere Entzündungen und Gewebeschäden.
„Diese Ergebnisse liefern weitere Belege für die breite Wirksamkeit von NXT-2 und stützen den Ansatz, daraus einen universellen Impfstoff gegen lokale und systemische Pilzinfektionen zu entwickeln“, schrieben die Autoren.
Hoffnung für Millionen Frauen mit chronischer Candidose
Obwohl NXT-2 auch gegen schwere Pilzinfektionen helfen könnte, wollen die Forscher den Impfstoff zunächst bei wiederkehrender vaginaler Candidose (RVVC) testen. Diese Infektionen betreffen jährlich über 100 Millionen Frauen weltweit – und sind laut den Studienautoren extrem belastend.
Viele junge, gesunde Frauen sind besonders anfällig, was die Rekrutierung von Freiwilligen für klinische Studien erleichtern könnte. Die Hauptautorin Karen Norris, Professorin für Immunologie und translationale Biomedizin an der UGA, sagte dazu:
„RVVC ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber äußerst unangenehm. Eine von zehn Frauen wird im Laufe ihres Lebens daran erkranken – und manche erleben drei oder mehr Episoden pro Jahr. Der Bedarf an einem Impfstoff ist groß.“
Norris ist auch CEO und Gründerin von NXT Biologics, dem Biotechnologieunternehmen, das NXT-2 kommerziell entwickelt. Sollte der Impfstoff gegen Candidose wirken, wollen die Forscher als Nächstes hochgefährliche Pilzarten ins Visier nehmen.
„Genau da sehe ich den größten Nutzen: bei Menschen mit hohem Risiko für schwere, lebensbedrohliche Pilzinfektionen“, so Norris.