Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Bäume bergen ein Geheimnis, das vor Vulkanausbrüchen Leben retten könnte

Eine neue Entdeckung zeigt: Bäume in der Nähe von Vulkanen besitzen eine erstaunliche Fähigkeit, Gefahren frühzeitig zu erkennen. Dieses Phänomen, sogar aus dem All sichtbar, könnte unsere Möglichkeiten zur Vorhersage von Naturkatastrophen revolutionieren – und Millionen von Menschen schützen.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Pflanzen als Frühwarnsystem für Vulkanausbrüche

Eine neue Studie, gefördert von der NASA und dem Smithsonian-Institut, zeigt, dass Vegetation als Frühwarnsignal für Vulkanausbrüche dienen kann. Mithilfe von Satellitenbildern und Beobachtungen am Boden fanden Wissenschaftler versteckte Hinweise in der Farbe und im Verhalten von Bäumen – Hinweise, die sich als entscheidend für die globale Sicherheit erweisen könnten.

Wie Pflanzen verraten, was das Magma verbirgt

Wenn Magma durch die Gänge eines Vulkans aufsteigt, setzt es lange vor dem Ausbruch Kohlendioxid (CO₂) frei. Dieses unsichtbare Gas, das schwer direkt zu messen ist, tritt durch den Boden aus und wird von Pflanzen aufgenommen. Die Folge: eine üppigere, dichtere und grünere Vegetation.

2
© iandodo – Pexels

Der dahinterstehende Mechanismus ist die Photosynthese – der Prozess, bei dem Pflanzen Wasser und CO₂ in Energie umwandeln. Durch das Überangebot an CO₂ wachsen die Pflanzen stärker und verändern sichtbar ihr Erscheinungsbild. Dieser Effekt lässt sich mithilfe von Satelliten wie Landsat 8 aus dem All erkennen – einem Satelliten, der speziell zur Überwachung der Erdoberfläche entwickelt wurde.

Die aufgenommenen Bilder zeigen einen deutlichen Anstieg an Blattgrün und Dichte in den Monaten vor einem Ausbruch. Die Pflanzenwelt wird so zu einem stillen Alarm, dass unter der Erde etwas in Bewegung ist.

Satelliten lesen die Haut des Planeten

Viele Vulkane befinden sich in schwer zugänglichen, abgelegenen Regionen – direkte Überwachung ist oft schwierig. Satellitentechnologie hingegen ermöglicht es, großflächige Veränderungen der Vegetation zu erfassen, auch ohne die Gase direkt zu messen.

Mit Daten von Landsat 8, Sentinel-2 und weiteren Satelliten analysierte die Vulkanologin Nicole Guinn die Vegetationsveränderungen am Ätna auf Sizilien. Ihre Ergebnisse zeigten eine eindeutige Korrelation zwischen verstärkter Vegetation und der CO₂-Freisetzung durch das Magma.

Der Klimawissenschaftler Josh Fisher führt parallel Laborstudien in Kalifornien durch, um die Reaktion von Pflanzenblättern auf vulkanisches CO₂ besser zu verstehen. Sein Team untersucht dabei nicht nur das Risiko, sondern auch das langfristige Potenzial von Pflanzen, CO₂ in einer zunehmend verschmutzten Welt aufzunehmen.

3
© Luis Andrade – Pexels

Ein entscheidender Hinweis für die Sicherheit von Millionen

Rund 10 % der Weltbevölkerung lebt in vulkanisch aktiven Regionen. Die Verbesserung der Ausbruchsprognose erfordert mehr als nur die Analyse seismischer Aktivitäten – auch neue Indikatoren wie die Reaktion von Bäumen müssen berücksichtigt werden.

Weltweit gelten derzeit etwa 1350 Vulkane als potenziell aktiv. Die Integration vegetativer Warnsignale könnte entscheidend sein, um früher und präziser auf drohende Ausbrüche zu reagieren und Katastrophen zu vermeiden. Das aufmerksame Beobachten der Natur könnte sich in Zukunft als wertvollstes Werkzeug zum Schutz der Menschen in Vulkannähe erweisen.

Quelle: Meteored.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel