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Wissenschaft

Augenärzte entdecken neue Zusammenhänge zwischen Ozempic und Sehproblemen

Die Sorge um potenzielle Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic wächst. Eine neue Fallserie beschreibt mehrere Patienten, die kurz nach Beginn einer Behandlung mit Semaglutid und ähnlichen Wirkstoffen schwerwiegende Augenprobleme entwickelten.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Augenärzte der University of Utah Health und anderer Forschungseinrichtungen haben in einer aktuellen Studie mehrere Fälle von Sehstörungen dokumentiert, die möglicherweise mit GLP-1-Medikamenten zusammenhängen. Betroffen sind drei verschiedene Augenerkrankungen, die alle zur Erblindung führen können. Dennoch betonen die Experten, dass diese Fälle allein noch keinen eindeutigen Beweis für einen kausalen Zusammenhang liefern. Weitere Forschung ist notwendig, um genau zu verstehen, was hier passiert.

Verbindung zwischen GLP-1-Medikamenten und Augenerkrankungen?

Bereits frühere Studien haben auf einen möglichen Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid (Wirkstoff in Ozempic und Wegovy) sowie Tirzepatid (Mounjaro und Zepbound) und einem erhöhten Risiko für bestimmte Augenerkrankungen hingewiesen.

Im Sommer 2023 veröffentlichte eine Spezialklinik für Augenheilkunde eine Studie, die zeigte, dass Patienten unter Semaglutid häufiger an einer seltenen Sehnervenstörung, der nicht-arteriitischen vorderen ischämischen Optikusneuropathie (NAION), erkrankten. Diese tritt auf, wenn die Blutversorgung des Sehnervs gestört ist.

Im Dezember 2023 forderten dänische Gesundheitsbehörden die EU auf, eine offizielle Untersuchung des möglichen Zusammenhangs zwischen GLP-1-Medikamenten und NAION einzuleiten. Zwei dänische Studien hatten zuvor ähnliche Hinweise geliefert.

Neue Fallserie aus JAMA Ophthalmology

Die neueste Untersuchung, die im Fachjournal JAMA Ophthalmology erschien, analysierte neun konkrete Fälle. Sieben Patienten entwickelten nach Beginn einer GLP-1-Therapie eine NAION, eine Person erlitt eine Papillitis (eine Entzündung des Sehnervs) und eine weitere Person erkrankte an einer parazentralen akuten mittleren Makulopathie, einer Schädigung der Blutgefäße in der Makula, dem zentralen Bereich der Netzhaut, der für scharfes Sehen entscheidend ist.

In vielen Fällen verbesserte sich der Sehverlust oder verschlechterte sich nicht weiter, nachdem die Betroffenen das Medikament abgesetzt hatten. Einige Patienten setzten die Therapie jedoch fort, ohne dauerhafte Probleme zu entwickeln.

Ursache noch unklar – aber ein Risikofaktor bleibt bestehen

Die Forscher betonen, dass diese Fallserie keinen endgültigen Beweis dafür liefert, dass GLP-1-Medikamente die Augenerkrankungen direkt verursachen.

„In dieser Fallserie konnte kein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen diesen Medikamenten und den berichteten ophthalmologischen Komplikationen festgestellt werden“, erklären die Autoren der Studie. Sollte es einen solchen Zusammenhang geben, könnte er zudem komplizierter sein als es auf den ersten Blick erscheint.

Fast alle der untersuchten Patienten hatten Typ-2-Diabetes, eine Erkrankung, die durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist. Einige Fälle von Papillitis wurden bereits mit einem rapiden Abfall des Blutzuckerspiegels in Verbindung gebracht – möglicherweise ist dies auch bei NAION der Fall.

Das würde bedeuten, dass die Medikamente nicht direkt toxisch auf die Augen wirken, sondern dass die rapide Senkung des Blutzuckerspiegels das Risiko für solche Erkrankungen erhöhen könnte. Zudem befinden sich GLP-1-Rezeptoren auch in Sehnervenzellen, was eine alternative Erklärung für die beobachteten Fälle liefern könnte.

Mehr Forschung notwendig – aber erste Lösungsansätze denkbar

Auch wenn NAION selten auftritt, könnte selbst ein gering erhöhtes Risiko viele Menschen betreffen, da GLP-1-Medikamente weltweit immer populärer werden. Ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen könnte helfen, zukünftige Fälle zu vermeiden.

Sollte sich bestätigen, dass der rasche Blutzuckerabfall die Ursache ist, könnte eine langsamere Dosierungssteigerung das Risiko senken. Diese Therapie wird oft schrittweise erhöht – ein noch sanfteres Vorgehen könnte eine einfache Maßnahme zur Risikoreduzierung sein.

Die Studienautoren hoffen, dass ihre Ergebnisse die Aufmerksamkeit anderer Augenärzte auf das mögliche Problem lenken und dazu beitragen, eine sicherere Anwendung dieser Medikamente zu gewährleisten.

„Weitere Studien sind notwendig, um unsere Hypothese zu testen. Dennoch ist dies ein wichtiges Thema für Augenärzte, da wir die Nutzung dieser Medikamente beobachten und unsere Patienten bestmöglich darüber informieren müssen“, sagte Bradley Katz, Neuro-Ophthalmologe am John A. Moran Eye Center der University of Utah, in einer Erklärung der Universität.

Fazit

Die Diskussion um GLP-1-Medikamente und ihre möglichen Nebenwirkungen ist in vollem Gange. Auch wenn es bisher keine eindeutigen Beweise für eine direkte Verbindung zu bestimmten Augenerkrankungen gibt, ist Vorsicht geboten. Patienten, insbesondere mit Typ-2-Diabetes, sollten ihre Therapie engmaschig mit ihren Ärzten absprechen – und Augenärzte sollten auf mögliche Sehveränderungen unter GLP-1-Therapie besonders achten.

 

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