Ein kleines Sternsystem mit einem umkreisenden Planeten rast mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Milchstraße – so schnell wie kein anderes zuvor entdecktes System, berichtet ein NASA-Team.
Den Berechnungen zufolge bewegt sich das System mit mindestens 1,93 Millionen Kilometern pro Stunde. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies der erste Exoplanet, der einen derart schnellen Stern umkreist. Die Forschungsergebnisse wurden im Astronomical Journal veröffentlicht.
Ein mysteriöses System auf Rekordjagd
Erstmals wurden die Objekte 2011 im Rahmen der Microlensing Observations in Astrophysics (MOA) gesichtet. Doch damals war unklar, womit Astronomen es zu tun hatten. Die Objekte könnten entweder ein Stern sein, der größer als unsere Sonne ist, mit einem Planeten, der etwa 29-mal so schwer wie die Erde ist. Oder es handelt sich um einen Riesenplaneten – viermal so groß wie Jupiter – mit einem kleineren Begleiter, möglicherweise einem Mond. In beiden Fällen übertrifft der größere Körper seinen Partner um das 2.300-fache an Masse.
Um die Geschwindigkeit des Systems zu bestimmen, analysierten die Forscher dessen Querverschiebung, also die Bewegung über den Himmel. Mithilfe von Daten des Keck-Observatoriums und der Gaia-Sonde der ESA wurde bestätigt, dass das größere Objekt tatsächlich ein Stern ist. Dennoch wollen die Forscher die Messungen in einem Jahr wiederholen, um zu überprüfen, ob die Bewegung genau der erwarteten Richtung und Distanz entspricht.
„Wenn hochauflösende Beobachtungen zeigen, dass der Stern an der gleichen Position bleibt, können wir sicher sagen, dass er nicht zu dem System gehört, das das ursprüngliche Signal verursacht hat“, erklärt Aparna Bhattacharya, Co-Autorin der Studie und Forscherin bei NASA Goddard und der Universität Maryland. „Dann wäre das Szenario eines herrenlosen Planeten mit einem Exomond wahrscheinlicher.“
Hypergeschwindigkeit dank Schwarzer Löcher?

Das atemberaubende Tempo des Systems deutet darauf hin, dass es sich um ein sogenanntes Hypergeschwindigkeits-Sternensystem handeln könnte. Solche Systeme erreichen ihre extremen Geschwindigkeiten oft durch gravitative Wechselwirkungen mit anderen Sternen oder massereichen Objekten wie Schwarzen Löchern, die durch ihre enorme Anziehungskraft regelrechte kosmische Schleudern erzeugen.
Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, gibt es in vielen Formen und Größen. Manche sind riesige, erdähnliche Gesteinsplaneten (Super-Erden), andere gasförmige Super-Neptune – also größere Versionen unseres Neptun. Wieder andere werden als Heiße Jupiter bezeichnet, da sie wie Jupiter groß sind, ihre Sterne aber viel näher und schneller umkreisen, wodurch sie extrem heiß werden.
Ein neues Zeitalter der Exoplanetenforschung
In den letzten Jahren haben Teleskope immer detailliertere Einblicke in fremde Welten ermöglicht. So enthüllte das James-Webb-Weltraumteleskop die Atmosphäre eines bekannten Exoplaneten in bisher unerreichter Klarheit. Im September 2023 entdeckten Astronomen einen der massereichsten Exoplaneten aller Zeiten, und im Oktober wurde bestätigt, dass der sonnennächste Stern einen eigenen Begleiter hat.
Im Januar 2024 wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: Erstmals dokumentierten Forscher Überschallwinde auf dem Exoplaneten WASP-127b, einem Riesenplaneten, der 2016 entdeckt wurde. Wer sich für weitere exotische Welten interessiert, findet eine umfangreiche NASA-Exoplaneten-Datenbank, die im Mai 2024 veröffentlicht wurde.
In naher Zukunft könnte das Roman Space Telescope, das spätestens 2027 starten soll, noch mehr dieser geheimnisvollen Welten enthüllen. Neben der Entdeckung neuer Exoplaneten soll es auch helfen, fundamentale Fragen des Universums zu beantworten.
„In diesem Fall haben wir MOA für die großflächige Sichtung genutzt und dann Keck sowie Gaia für die genauere Analyse eingesetzt“, erklärt Terry, einer der beteiligten Wissenschaftler. „Doch mit Romans leistungsfähigem Blickfeld und dem geplanten Beobachtungsprogramm werden wir in Zukunft nicht mehr auf zusätzliche Teleskope angewiesen sein – Roman wird alles übernehmen.“
Bis dahin bleibt uns nur, die schwindelerregende Geschwindigkeit dieses Stern-Planet-Systems zu bestaunen – und gespannt auf weitere Erkenntnisse im nächsten Jahr zu warten.