Ein verborgener Ozean auf Miranda?
Der Uranusmond Miranda könnte unter seiner Oberfläche einen flüssigen Ozean verbergen. Das hat ein Forscherteam herausgefunden, das kürzlich die Oberfläche des Mondes kartierte und die Gezeitenkräfte modellierte.
Ihre Studie, die Anfang dieses Monats im Planetary Science Journal veröffentlicht wurde, legt die „plausible Existenz“ eines mindestens 100 Kilometer dicken Ozeans auf Miranda nahe, der vor etwa 100 bis 500 Millionen Jahren existiert haben könnte. Die Wissenschaftler vermuten zwar, dass dieser Ozean inzwischen weitgehend gefroren ist, doch möglicherweise gibt es immer noch flüssiges Wasser unter der eisigen Kruste des Mondes. Hätte sich das Wasser komplett verfestigt, wäre das anhand bestimmter Oberflächenrisse erkennbar – diese fehlen jedoch, wie die vorhandenen Aufnahmen zeigen.
„Beweise für einen Ozean in einem so kleinen Himmelskörper wie Miranda zu finden, ist unglaublich überraschend“, sagte Tom Nordheim, Planetenwissenschaftler am Johns Hopkins Applied Physics Laboratory und Co-Autor der Studie. „Es zeigt, dass einige der Monde des Uranus wirklich interessant sind. Vielleicht gibt es sogar mehrere Ozeanwelten um diesen fernen Planeten. Das ist sowohl spannend als auch bizarr.“
Uranus: Mehr als nur ein kosmischer Witz
Der siebte Planet von der Sonne aus gesehen ist oft Ziel von Scherzen, doch für Planetenforscher bleibt Uranus hochspannend. 2022 setzte die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine die Erforschung von Uranus auf die Prioritätenliste für das kommende Jahrzehnt. Völlig zu Recht: Uranus ist ein echter Sonderling mit einer extremen Neigung, einem riesigen weißen Fleck, extremen Jahreszeiten und Infrarot-Auroras in seiner Gasatmosphäre.
Und das ist noch nicht alles: Obwohl wir Saturn als den „Ringplaneten“ kennen, enthüllte das James Webb-Weltraumteleskop im vergangenen Jahr leuchtende Uranusringe in bislang nie dagewesener Schärfe.
Eine neue Mond-Entdeckung
Auch die Monde von Uranus sind eine Fundgrube für Wissenschaftler. Erst dieses Jahr entdeckte ein Team von Astronomen einen neuen Trabanten des Planeten – den ersten seit mehr als 20 Jahren. Dieser kleine Mond ist nur etwa acht Kilometer breit und braucht fast zwei Jahre für eine Umrundung des Gasriesen. Noch hat er keinen Namen, doch wird er wohl – wie die anderen Uranusmonde – eine Bezeichnung aus der Welt von Shakespeare erhalten. Neben Miranda gibt es bereits Rosalind, Puck, Belinda, Desdemona, Cressida, Juliet und viele mehr.
Wie Miranda zur Wasserwelt wurde
Doch zurück zu Miranda: Das ikonische Bild des Eismondes stammt von der NASA-Sonde Voyager 2, die 1986 beim Vorbeiflug die zerklüftete Oberfläche des Trabanten aufnahm.
Die aktuelle Studie modellierte das Innere des Mondes basierend auf seinen Oberflächenmerkmalen. Die Forscher analysierten die auf Miranda wirkenden Kräfte und kamen zu dem Schluss, dass sich durch gravitative Wechselwirkungen mit anderen Uranusmonden eine erhebliche Hitze entwickelt haben könnte. Diese wärmebedingte Aktivierung könnte einst einen tiefen Ozean entstehen lassen haben.
Das Team geht davon aus, dass die Eiskruste von Miranda etwa 30 Kilometer dick ist. Falls das stimmt, würde dies darauf hinweisen, dass sich darunter ein 100 Kilometer tiefer Ozean befindet. Zum Vergleich: Der Marianengraben, die tiefste bekannte Stelle im Ozean der Erde, ist nur knapp 11 Kilometer tief. Selbst wenn Mirandas Ozean heute nicht mehr existiert, ist die Vorstellung, dass er einmal da war – und eventuell ein Rest davon noch existiert – extrem spannend.
„Ein solch tiefer Ozean hätte Miranda sehr ähnlich zu Enceladus gemacht“, erklärten die Forscher. „Das bedeutet auch, dass Miranda vor geologisch kurzer Zeit potenziell bewohnbar war.“
Suche nach Leben im All
Astrobiologie – die Suche nach Leben jenseits der Erde – ist eine der faszinierendsten Disziplinen der modernen Raumfahrt. Ob es darum geht, Rover auf den Mars zu schicken oder ferne Exoplaneten zu untersuchen – die Frage nach Leben treibt viele Missionen an.
Obwohl Astronomen nach möglichem Leben in fernen Sonnensystemen suchen, glauben viele, dass die besten Chancen, Leben zu entdecken, in unserem eigenen Sonnensystem liegen. Genauer gesagt: unter den Eisschichten von Monden wie Europa, Ganymed, Enceladus – und jetzt vielleicht auch Miranda.
Was kommt als Nächstes?
Bis eine Raumsonde nach Miranda geschickt wird, wird es wohl noch Jahre dauern. Doch schon bald könnten uns andere Missionen neue Hinweise liefern. Die JUpiter ICy Moons Explorer und Europa Clipper Missionen befinden sich bereits auf dem Weg zum Jupiter, um seine eisigen Monde genauer zu untersuchen.
Was sie entdecken, könnte uns dabei helfen, auch Miranda besser zu verstehen. Vielleicht verbirgt sich unter der eisigen Kruste des kleinen Mondes ein neues, aufregendes Kapitel unserer kosmischen Geschichte.