Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Asteroid Apophis wird die Erde 2029 nicht treffen – es sei denn, dieses verrückte Szenario tritt ein

Selbst wenn der Eins-zu-einer-Milliarde-Fall eintreten würde, wäre das wohl nicht das Ende der Menschheit. Wahrscheinlich.
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Der Asteroid Apophis stellt aktuell keine Bedrohung für die Erde dar, wenn er in ein paar Jahren an uns vorbeizieht – aber ein Astrophysiker hat ein Szenario entworfen, in dem sich das ändern könnte.

Die gute Nachricht: Eine absolut verrückte Kettenreaktion von Ereignissen – wie sich mit voller Geschwindigkeit kreuzende kosmische Projektile, die genau im richtigen Winkel abgelenkt werden – müsste eintreten, damit dieses potenzielle Desaster Wirklichkeit wird.

NASA gibt Entwarnung – zumindest für die nächsten 100 Jahre

Im Jahr 2021 veröffentlichte die NASA eine Analyse der Flugbahn von Apophis und kam zu dem Schluss, dass der Asteroid in naher Zukunft keine Gefahr für die Erde darstellt. Obwohl es 2029 und 2036 enge Vorbeiflüge geben wird – und ein noch engerer 2068 –, zeigen die Berechnungen der NASA kein Risiko einer direkten Kollision. Tatsächlich erklärte die Raumfahrtbehörde, dass unser Planet für mindestens weitere 100 Jahre vor Apophis sicher sein sollte.

Ein kleines, aber nicht unmögliches Risiko

Eine im März im Planetary Science Journal veröffentlichte Studie bestätigte diese Einschätzung – zumindest größtenteils. In der Studie erklärte Paul Wiegert, ein Astrophysiker der Western University in Kanada, dass Apophis zwar derzeit keine Bedrohung darstellt, jedoch im Dezember 2026 dem Asteroiden 4544 Xanthus gefährlich nahekommen wird. Die beiden Objekte werden sich bis auf weniger als 10.000 Kilometer annähern – jedoch etwa vier Stunden versetzt, wodurch das Risiko einer direkten Kollision ausgeschlossen wird.

Allerdings könnte herumfliegendes Material von Xanthus auf Apophis treffen und dessen Flugbahn beeinflussen – möglicherweise in Richtung Erde. Gruselig!

Die verschwindend geringe, aber existierende Chance

Wiegert hat seine Berechnungen inzwischen in einer neuen Studie aktualisiert und kommt zu dem Schluss, dass es eine – wenn auch extrem geringe – Chance gibt, dass Apophis mit einem kleinen Asteroiden kollidiert und dadurch von seinem aktuellen Kurs abkommt. Er betont zwar, dass die Wahrscheinlichkeit „verschwindend gering“ ist, weist aber darauf hin, dass bereits Kollisionen zwischen Asteroiden oder Kometen beobachtet wurden.

Zwar befindet sich Apophis nicht auf direktem Kollisionskurs mit einem der etwa 1,2 Millionen bekannten Asteroiden, aber es gibt unzählige winzige, nicht erfasste Asteroiden, die jedes Jahr auf die Erde treffen. Laut seinen Berechnungen könnte ein Objekt mit ausreichend Masse und Geschwindigkeit Apophis exakt im richtigen Moment treffen – mit potenziell problematischen Folgen für uns.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Die Chance, dass Apophis von irgendetwas getroffen wird, liegt unter 1 zu 1 Million – und dass dieser Treffer ihn dann Richtung Erde lenkt, unter 1 zu 1 Milliarde.

2027 wissen wir mehr

Aktuell befindet sich Apophis in einem Bereich des Himmels, der tagsüber nicht sichtbar ist, und wird erst 2027 wieder beobachtbar sein. Aber sobald wir ihn wieder im Blick haben, werden Astronomen schnell feststellen können, ob er auf Kollisionskurs ist. Laut Wiegert könnte „die größte Unsicherheit durch eine einzige Beobachtung von Apophis im Jahr 2027 beseitigt werden“. Falls eine Kollision kurz vor seinem erneuten Auftauchen passiert, wäre das vielleicht nicht sofort ersichtlich – aber wenn Astronomen plötzlich Trümmer sehen, wäre das ein deutliches Zeichen, dass etwas Großes passiert ist. Dann müsste eine neue Flugbahn berechnet werden.

Passenderweise ist Apophis nach dem ägyptischen Gott des Chaos benannt.

NASA und ESA haben Apophis bereits im Visier

Wenn Apophis sich der Erde nähert, wird er nicht alleine sein: Mehrere Raumsonden sollen ihn begleiten. Darunter OSIRIS-APEX – die ehemalige OSIRIS-REx-Sonde der NASA, die bereits den Asteroiden Bennu untersucht hat. Sie wird Apophis im Juni 2029 unter die Lupe nehmen, nachdem der Asteroid im April 2029 an der Erde vorbeigeflogen ist.

Auch die europäische Weltraumagentur ESA plant eine Mission: Die Rapid Apophis Mission for Space Safety (RAMSES) soll im April 2028 starten. An Bord werden zwei kleine CubeSats sein, die untersuchen, wie sich die physikalischen Eigenschaften von Apophis durch die Gravitation der Erde verändern. Ziel ist es nicht nur, mehr über die Entstehung von Planeten zu lernen, sondern auch mögliche Planetenschutz-Systeme gegen zukünftige Einschlagsgefahren zu entwickeln.

Selbst das Worst-Case-Szenario ist nicht das Ende

Selbst wenn der unwahrscheinliche Katastrophenfall eintreten sollte, wäre das wohl nicht das Ende der Menschheit – auch wenn es sicher nicht angenehm wäre. Apophis hat eine Länge von etwa 340 Metern. Das klingt groß, aber der Asteroid, der vermutlich das Aussterben der Dinosaurier verursachte, war etwa 10 bis 15 Kilometer breit.

Also selbst wenn du ein Apophis-Pessimist bist – es könnte schlimmer sein.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel