Fast 3 % Einschlagsrisiko – jetzt quasi null
Der Asteroid wurde am 27. Dezember 2024 von ATLAS (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) in Chile entdeckt und direkt als potenziell gefährlich eingestuft. Die ersten Berechnungen deuteten auf eine Einschlagswahrscheinlichkeit von knapp 3 % hin – und auch wenn das nicht nach Weltuntergang klingt, reicht es locker für nervöse Blicke in den Himmel. Vor allem, wenn ein Einschlag die Sprengkraft hätte, eine ganze Stadt zu zerstören.
Am 20. Februar gab die NASA aber offiziell Entwarnung: Neue Bahndaten zeigten, dass 2024 YR4 die Erde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen wird. Jetzt liefern Beobachtungen des Webb-Teleskops den endgültigen Beweis: Die Erde ist raus aus der Gefahrenzone.
Aber was ist mit dem Mond?
Während der Heimatplanet also aufatmen kann, bleibt die Frage offen, wie es dem Mond ergeht. Denn laut den neuesten Erkenntnissen ist die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags dort nicht gleich null.
Ursprünglich wurde der Asteroid entdeckt, als er sich rund 829.000 Kilometer von der Erde entfernt befand – das ist etwa doppelt so weit wie der Mond. Seitdem hat sich der Brocken weiter entfernt, sein nächster erdnaher Vorbeiflug steht aber schon für Dezember 2028 auf dem Kalender. Bis dahin ist er allerdings mit bodengestützten Teleskopen kaum sichtbar – zu lichtschwach. Deshalb kam Webb ins Spiel.
Webb schaut genauer hin
Ende Januar schlug ein Forscherteam vor, das James-Webb-Teleskop für eine genauere Untersuchung des Asteroiden zu nutzen – vor allem, um seine Größe, Oberflächenbeschaffenheit und potenzielle Schlagkraft besser einschätzen zu können. Und genau das wurde am 26. März umgesetzt. Innerhalb eines fünfstündigen Beobachtungsfensters drehte sich 2024 YR4 alle 20 Minuten einmal um die eigene Achse – und lieferte dabei spannende Daten.
Während erste Schätzungen von einer Größe zwischen 40 und 90 Metern ausgingen, kommt Webb nun auf rund 60 Meter – also circa 200 Fuß. Das ist kein Riese, aber durchaus ernstzunehmend, vor allem wenn es kracht.
Und noch etwas fiel auf: Die Oberfläche des Asteroiden ist kühler als die der meisten anderen Brocken in vergleichbarer Sonnenentfernung. Die Forscher vermuten, dass das an einer besonders felsigen Zusammensetzung liegt. Weitere Messungen im Mai sollen Aufschluss über die thermischen Eigenschaften und die genaue Bahn von 2024 YR4 geben.
8 Megatonnen – was, wenn er den Mond trifft?
Die Wissenschaftler betonen, dass ein Einschlag auf die Erde zwar ausgeschlossen sei, der Mond aber theoretisch noch auf der Trefferliste steht. Was genau passieren würde, wenn der Asteroid unseren Trabanten trifft, ist schwer zu sagen. Klar ist aber: Mit geschätzten 8 Megatonnen Aufprallenergie wäre der Einschlag alles andere als harmlos. Zum Vergleich: Das entspricht dem 500-Fachen der Hiroshima-Bombe oder der Explosion von Tunguska im Jahr 1908.
Solch ein Einschlag wäre nicht nur ein spektakuläres Ereignis – zumindest, wenn er von der Erde aus sichtbar wäre – sondern auch eine wissenschaftliche Goldgrube. Die Möglichkeit, in Echtzeit die Entstehung eines neuen Mondkraters zu beobachten, würde den Forschern tiefe Einblicke in die Geschichte und Dynamik unseres Sonnensystems ermöglichen.