Archäologen, die auf dem Gelände eines ehemaligen Klostergartens in Dijon, Frankreich, arbeiten, haben eine ungewöhnliche Gruppe gallischer Gräber sowie eine Kindernekropole entdeckt, die über 2.000 Jahre alt ist.
Die gallischen Bestattungen sind bemerkenswert, da die Verstorbenen alle in sitzender Position begraben wurden und nach Westen blicken. Diese Sitzhaltung ist für den Zeitraum zwischen 450 und 25 v. Chr. untypisch und zählt zu nur neun ähnlichen Fundstätten in Frankreich, so das französische Nationale Institut für präventive archäologische Forschung (INRAP).
Ein einzigartiges Bestattungsritual

Insgesamt sind nur ein Dutzend solcher sitzenden gallischen Gräber bekannt – drei weitere befinden sich in der Schweiz. Die außergewöhnlichen Bestattungen sind ein weiteres spannendes Fundstück von INRAP, dessen Archäologen im vergangenen Jahr in einer bronzezeitlichen Siedlung in der Bretagne einen atemberaubenden Goldring entdeckten. Laut INRAP wirft die besondere Behandlung der Verstorbenen Fragen über ihren gesellschaftlichen Status auf. Möglicherweise waren die hier beigesetzten Personen politisch oder religiös bedeutsam oder gehörten einer bestimmten Familie an.
Die Nekropole stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., erklärte INRAP in einer Pressemitteilung. Sie enthält die Überreste von 22 Kindern – möglicherweise waren es noch mehr, doch moderne landwirtschaftliche Arbeiten haben einige der Gräber zerstört. Die Kinder starben wahrscheinlich vor ihrem ersten Lebensjahr und wurden entweder auf dem Rücken oder auf der Seite beigesetzt, was damals üblich war.
Steineinfassungen und Nägel an der Fundstelle deuten darauf hin, dass einige der Kinder einst in Holzsärgen begraben wurden, die längst vergangen sind. Einige Gräber enthielten zudem Grabbeigaben wie Münzen und Keramiken (wie unten gezeigt).

Neben den Gräbern entdeckte das Archäologenteam auch Pflanzgruben aus der gallo-römischen Zeit, die auf eine spätere landwirtschaftliche Nutzung des Ortes hindeuten. Außerdem wurden Rinderschädel aus dem 16. oder 17. Jahrhundert gefunden, was darauf schließen lässt, dass das Gelände später als Schlachtplatz genutzt wurde.
INRAPs Arbeit ist niemals abgeschlossen. Die gallischen Bestattungen sind nur die jüngste Entdeckung der Archäologen des Instituts. Nach dem verheerenden Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris fand ein INRAP-Team zwei Bleisärge unter dem Boden der Kathedrale. Letztes Jahr enthüllte INRAP, dass einer der Särge die Überreste von Joachim du Bellay, einem Reiter und Dichter aus dem Jahr 1560, enthält. Der andere Sarg enthält Antoine de la Porte, einen Kirchenbeamten, der 1710 verstarb.
Eines ist sicher: Wir werden die Arbeit des Instituts weiter verfolgen. Und im Dezember werfen wir einen Blick auf die bahnbrechendsten archäologischen Entdeckungen des Jahres – INRAP wird dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen.