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Wissenschaft

Archäologen entdecken mittelalterlichen Boden aus Knochen

Dieses seltene Phänomen, das bisher nur in Nordholland gefunden wurde, gibt Rätsel auf: Warum würde jemand ein derart morbides Material für den Bodenbelag wählen?
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Vor Hunderten von Jahren kam jemand in den Niederlanden auf die ungewöhnliche Idee, Bodenlücken nicht mit Fliesen, sondern mit Knochen zu füllen.

Stadtarchäologen, die im historischen Zentrum der niederländischen Stadt Alkmaar graben, haben einen historischen Boden entdeckt, der teilweise mit Tierknochen ausgelegt ist. Laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung ist dieses seltene Merkmal bislang nur in der Provinz Nordholland bekannt und wurde meist in Böden aus dem 15. Jahrhundert nachgewiesen.

Ein einmaliger Fund mit vielen Fragen

„Wir waren begeistert, diesen Knochenboden mit eigenen Augen zu sehen. Es ist immer ein Privileg, etwas aus vergangenen Zeiten freizulegen und neue Erkenntnisse zur Geschichte Alkmaars beizutragen“, erklärte Nancy de Jong, Stadtarchäologin von Alkmaar.

Die gefundenen Knochen stammen von Rindern, genauer gesagt von Mittelfußknochen (Metakarpale und Metatarsale), und wurden alle auf eine einheitliche Größe zugeschnitten. Trotz der starken Abnutzung konnte das Archäologenteam ein Muster in der Anordnung der Knochen erkennen: Sie wurden vertikal platziert, entweder mit der geriffelten oder der abgesägten Seite nach oben.

Kein Einzelfall: Knochenböden in Nordholland

Dieser Fund ist nicht der erste seiner Art. Ähnliche Knochenböden wurden bereits in den Städten Hoorn, Enkhuizen und Edam entdeckt. Besonders das Muster des Hoorn-Fundes weist auffällige Ähnlichkeiten auf. Nun fragen sich die Experten, ob diese Technik eine verbreitete Bodenlösung oder ein gestalterisches Element des 15. Jahrhunderts in den Niederlanden war.

Eine genaue Datierung des neu entdeckten Bodens steht noch aus. Zwar wurde das dazugehörige Haus erst Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet, doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Boden aus derselben Zeit stammt. Archäologen erklärten, dass es damals nicht ungewöhnlich war, neue Häuser auf älteren Fundamenten zu errichten. Somit könnte der Knochenboden durchaus ins 15. Jahrhundert zurückreichen, wie die anderen bekannten Beispiele.

Warum Knochen?

Die größte Frage bleibt jedoch: Warum würde jemand seine Lücken im Boden mit Knochen füllen? Fliesen waren zu dieser Zeit nicht teuer, wie die Archäologen erklärten, sodass wirtschaftliche Gründe unwahrscheinlich erscheinen. Vielleicht dienten die Knochen also nicht als Fliesen, sondern nur als praktisches Füllmaterial. Eine andere Theorie besagt, dass die Nutzung der Knochen mit dem Handwerk oder der Industrie zusammenhängen könnte, die dort betrieben wurde.

„Es gibt noch unzählige verborgene Geschichten, die darauf warten, von unserem Archäologenteam entdeckt zu werden“, sagte Anjo van de Ven, Kulturbeauftragter von Alkmaar. „Ich freue mich immer, wenn sie mich anrufen und von einem neuen Fund berichten. Was für eine coole Entdeckung sie wohl diesmal gemacht haben?“

Das Geheimnis des Knochenbodens bleibt vorerst ungelöst. Doch während die Archäologen weiter forschen, kann sich die Welt schon einmal über eine extrem langlebige Bodenlösung wundern.

 

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