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Archäologen entdecken gruselige 2.400 Jahre alte Puppen auf Pyramide in El Salvador

Mysteriöse Keramikfiguren mit beweglichen Köpfen geben Rätsel auf
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ein spektakulärer Fund in El Salvador stellt bisherige Annahmen über die präkolumbianischen Kulturen der Region in Frage. Zwei Archäologen haben auf der Spitze der größten Pyramide der archäologischen Stätte San Isidro fünf rund 2.400 Jahre alte Keramikfiguren entdeckt. Drei von ihnen haben bewegliche Köpfe, die an moderne Puppen erinnern.

Wie in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Antiquity beschrieben, liefern diese Artefakte neue Erkenntnisse über die kulturellen Verbindungen der damaligen Bevölkerung. Sie könnten darauf hindeuten, dass die präkolumbianischen Einwohner El Salvadors in engem Kontakt mit anderen mittelamerikanischen Zivilisationen standen – und somit nicht so isoliert oder rückständig waren, wie oft angenommen wurde.

Ein geheimnisvolles Ritual oder eine verlorene Botschaft?

Die Archäologen Jan Szymański und Gabriela Prejs von der Universität Warschau vermuten, dass die Figuren Teil eines rituellen Bestattungsdepots waren. Menschliche Überreste fanden sie an dieser Stelle nicht, dafür jedoch die fünf kunstvoll gestalteten Keramikpuppen. Besonders bemerkenswert: Drei der Figuren haben bewegliche Köpfe, eine Seltenheit für Funde dieser Zeit.

„Dies ist erst die zweite bekannte Gruppe solcher Figuren, die an ihrem ursprünglichen Fundort entdeckt wurde – und die erste, die eine männliche Figur enthält“, erklärt Szymański in einer Stellungnahme gegenüber Antiquity. Die Forscher vermuten, dass die Puppen bewusst in dieser Anordnung platziert wurden, um eine symbolische oder rituelle Botschaft zu hinterlassen.

Darüber hinaus könnten sie eine wichtige Rolle in öffentlichen Zeremonien gespielt haben.

Ausdrucksstarke Gesichter mit verblüffender Wirkung

Besonders faszinierend ist die Mimik der Figuren, die sich je nach Blickwinkel zu verändern scheint. „Von oben betrachtet wirken die Gesichter fast grinsend. Auf Augenhöhe erscheinen sie wütend oder abweisend, und von unten betrachtet sehen sie geradezu ängstlich aus“, beschreibt Szymański.

Diese bewusste Gestaltung könnte dazu gedient haben, verschiedene emotionale Reaktionen in rituellen Aufführungen hervorzurufen. Vielleicht nutzten die Menschen von San Isidro die Puppen für religiöse Rituale oder erzählerische Darbietungen, die eine besondere Wirkung auf das Publikum hatten.

Verbindungen zu anderen Kulturen Mittelamerikas

Die Figuren allein sind schon beeindruckend genug, doch andere Funde aus dem Depot geben weitere Rätsel auf. Neben den Keramikpuppen entdeckten die Archäologen auch Jadewertgegenstände, darunter kunstvoll gearbeitete Anhänger.

Diese Artefakte weisen darauf hin, dass San Isidro Teil eines größeren Netzwerks war, das sich weit über die heutigen Grenzen El Salvadors hinaus erstreckte.

Die künstlerische Gestaltung der Puppen erinnert an Funde aus West-El-Salvador und Süd-Guatemala, während ähnliche Jadeanhänger in Nicaragua, Costa Rica und Panama nachgewiesen wurden. Dies legt nahe, dass die damaligen Bewohner San Isidros nicht isoliert lebten, sondern sich mit anderen Kulturen austauschten – sei es durch Handel, Migration oder kulturelle Einflüsse.

„Diese Entdeckung widerlegt die verbreitete Annahme, dass El Salvador in der Antike kulturell rückständig oder isoliert war“, betont Szymański. „Sie zeigt, dass es in der Region lebendige, weitreichende Gemeinschaften gab, die Ideen und Einflüsse mit überraschend weit entfernten Orten teilten.“

Eine Herausforderung für die Archäologie

Trotz der Bedeutung dieses Fundes bleibt die Erforschung der antiken Kulturen El Salvadors eine Herausforderung. Die hohe Bevölkerungsdichte und die vulkanische Aktivität in der Region erschweren archäologische Untersuchungen erheblich.

„Wir wissen nur sehr wenig über die Identität und ethnolinguistische Zugehörigkeit der Menschen, die diese alten Siedlungen errichteten – vor allem je weiter wir in die Vergangenheit zurückblicken“, erklärt Szymański.

Doch Funde wie diese Puppen bieten neue Einblicke in eine faszinierende Kultur, die trotz aller Widrigkeiten ein komplexes und kreatives Gesellschaftsleben führte. Und auch wenn die 2.400 Jahre alten Puppen nicht sprechen können, haben sie dennoch eine Menge zu erzählen.

 

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