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Wissenschaft

Arbeiten in der Sonne kann tödlich enden – WHO warnt vor Hautkrebsrisiko im Job

Rund ein Drittel aller Todesfälle durch bestimmte Hautkrebsarten gehen laut einem neuen WHO-Bericht auf Arbeiten unter freiem Himmel ohne ausreichenden UV-Schutz zurück. Die Zahlen sind alarmierend – und das Problem nimmt weltweit zu.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wer beruflich viel draußen unterwegs ist, riskiert nicht nur Sonnenbrand oder frühzeitige Hautalterung, sondern setzt sich auch einem deutlich erhöhten Hautkrebsrisiko aus. Das bestätigt eine neue Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Demnach sind weltweit jährlich rund 19.000 Todesfälle durch sogenannte nicht-melanozytäre Hautkrebserkrankungen (also Hautkrebsarten außer dem besonders gefährlichen Melanom) auf berufliche UV-Strahlung zurückzuführen.

Die Analyse ist Teil eines groß angelegten Forschungsprojekts von WHO und ILO, das die gesundheitlichen Folgen durch Arbeitsbedingungen weltweit untersucht. Schon frühere Studien zeigten, dass Arbeit massiv krank machen kann: 2016 etwa wurden 1,9 Millionen arbeitsbedingte Todesfälle gezählt – allein 700.000 davon durch überlange Arbeitszeiten.

Im Fokus steht nun vor allem die UV-Strahlung als Risikofaktor. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein WHO/ILO-Bericht bestätigt, dass Menschen, die bei der Arbeit regelmäßig UV-Strahlung ausgesetzt sind, ein deutlich höheres Risiko für nicht-melanozytären Hautkrebs haben. Beim Melanom – der gefährlicheren Variante – fehlt es bislang noch an klaren Daten, um den Zusammenhang eindeutig zu belegen. Das liegt vor allem an lückenhafter Erhebung und mangelnder Vergleichbarkeit der Daten weltweit.

Die neue Studie, erschienen im Fachjournal Environment International, gibt nun erstmals konkrete Zahlen: In 183 Ländern wurde der Zeitraum zwischen 2000 und 2019 ausgewertet. Demnach waren allein im Jahr 2019 etwa 1,6 Milliarden Menschen regelmäßig während der Arbeit UV-Strahlen ausgesetzt – das entspricht rund 28 Prozent der globalen Erwerbsbevölkerung.

Die Forscher schätzen, dass fast ein Drittel aller Todesfälle durch nicht-melanozytären Hautkrebs auf genau diese berufliche UV-Belastung zurückgeht. 2019 bedeutete das weltweit 18.960 Todesfälle, zwei Drittel davon betrafen Männer. Besonders alarmierend: Zwischen 2000 und 2019 hat sich die Zahl dieser arbeitsbedingten Todesfälle nahezu verdoppelt. Auch die sogenannte Krankheitslast, gemessen in Disability-Adjusted Life Years (DALYs), also verlorenen gesunden Lebensjahren, stieg deutlich an – auf etwa 500.000 DALYs im Jahr 2019.

„Unzureichender Schutz vor UV-Strahlung am Arbeitsplatz ist ein Hauptgrund für beruflich bedingten Hautkrebs“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einem Statement der Vereinten Nationen. Die gute Nachricht: Es gibt effektive Maßnahmen, um das Risiko deutlich zu senken – doch sie werden vielerorts schlicht nicht umgesetzt.

Die WHO und ILO fordern nun ein konsequentes Umdenken: Arbeitgeber sollen ihren Beschäftigten nicht nur Schattenplätze zur Verfügung stellen, sondern auch kostenlose Sonnencreme, UV-schützende Kleidung und flexible Arbeitszeiten, die starke Sonnenstunden – meist rund um die Mittagszeit – gezielt meiden.

Auch Gilbert Houngbo, Generaldirektor der ILO, appelliert an Politik und Unternehmen: „Regierungen, Arbeitgeber und Beschäftigte müssen gemeinsam handeln, um das Risiko durch UV-Strahlung im Job zu senken. So lassen sich jedes Jahr tausende Leben retten.“

Besonders betroffen sind Berufsgruppen wie Bauarbeiter, Landwirte, Gärtner, Straßenarbeiter oder Lieferdienste – also all jene, die tagein, tagaus draußen unterwegs sind, oft ohne Sonnenschutz, weil es entweder an Bewusstsein oder an Ressourcen fehlt. In Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung oder wenigen arbeitsrechtlichen Standards ist das Risiko entsprechend größer.

Dabei wäre die Prävention denkbar einfach – und kostengünstig. Schutzkleidung, Sonnencreme, flexible Arbeitszeiten und vor allem Aufklärung könnten einen entscheidenden Unterschied machen. Denn der Tod durch Hautkrebs ist in vielen Fällen vermeidbar – wenn man rechtzeitig handelt.

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