Stimmen der Tech-Giganten an der Straße
Am vergangenen Wochenende wurden Fußgängerampeln im Hinterhof von Mark Zuckerberg und Elon Musk gehackt – und gaben Stimmen wieder, die ihre Persönlichkeiten imitierten. Doch freundlich waren sie nicht: Stattdessen lieferten sie eine bissige Kommentierung der zunehmenden Polarisierung und des Misstrauens gegenüber den beiden Tech-Führern, die heute mehr Einfluss auf Gesellschaft und Politik haben als je zuvor – besonders in Washington.
„Es gibt absolut nichts, was du dagegen tun kannst“
In einem TikTok-Video beginnt die Ampel nach dem Drücken des Fußgängerknopfs zu sprechen:
„Es ist normal, sich unwohl oder sogar verletzt zu fühlen, wenn wir AI mit Gewalt in jeden Aspekt deiner bewussten Erfahrung einführen.“
Dann folgt: „Ich möchte dich einfach nur beruhigen: Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, denn es gibt absolut nichts, was du dagegen tun kannst.“
Meta treibt die Entwicklung von AI massiv voran, etwa durch die Integration von „Meta AI“-Buttons in die Suchfunktionen seiner Apps oder durch die Förderung von AI-gestützten Avataren, die echte Menschen in der Kommunikation ersetzen sollen. Laut einer aktuellen Umfrage von YouGov stehen 44 % der US-Amerikaner AI skeptisch gegenüber – wegen Bedenken zu Datenschutz, Deepfakes und Desinformation. Dennoch setzen Konzerne wie Meta darauf, dass AI mehr Menschen zur Online-Inhaltsproduktion und sozialen Interaktion anregen wird.
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Eine weitere Aufnahme beginnt mit: „Hallo, hier ist Elon Musk. Willkommen in Palo Alto, dem Zuhause von Tesla Engineering. Ihr kennt doch das Sprichwort ‚Geld macht nicht glücklich‘ – ich schätze, das stimmt. Gott weiß, ich habe es versucht. Aber es kann dir einen Cybertruck kaufen, und das ist ziemlich geil, oder?“
Nach einer Pause folgt dann: „Fuck, ich bin so allein“ – gefolgt von lautem Gelächter im Hintergrund.
Nicht alle erkennen den Witz – oder dass es ein Hack war
Die Stimmen lassen sich relativ leicht als synthetisch erkennen, vor allem weil Musk im echten Leben oft stottert, während die Stimme im Video klar artikuliert. Leider zeigen die Kommentare auf TikTok, dass viele User den Witz nicht verstanden haben – und nicht erkennen, dass es sich um einen Hack handelt, nicht um autorisierte Inhalte der CEOs. Ein Witz verliert an Wirkung, wenn man ihn erklären muss.
Stadt und Anbieter reagieren auf den Vorfall
Behörden von Redwood City, Kalifornien, erklärten gegenüber Palo Alto Online, man arbeite „aktiv daran, das Problem so schnell wie möglich zu untersuchen und zu beheben“. Kommentare in sozialen Netzwerken deuten darauf hin, dass das Problem bis Montag gelöst wurde.
Der Hersteller der sprachgesteuerten Ampelanlagen ist offenbar eine Firma namens Polara, die Taster für Fußgängerüberwege anbietet, die über Bluetooth mit den Signalanlagen kommunizieren.
Risiko für Sehbehinderte – aber Warnhinweise blieben erhalten
Das Hacken der Audiosignale birgt Gefahren – vor allem für blinde oder anderweitig beeinträchtigte Personen. Immerhin scheint es, als hätten die Hacker alle notwendigen Warnsignale im System belassen. Die Stimmen von Zuckerberg und Musk werden erst nach den eigentlichen Signalen abgespielt.
Auf der anderen Seite: Genau diese Stimmen könnten Menschen dazu verleiten, unüberlegt auf die Straße zu laufen.
Proteste gegen Musk – und die wachsende Ablehnung beider Figuren
Palo Alto war kürzlich Schauplatz von Protesten gegen Musk und Tesla – wegen seiner politischen Ambitionen, die die Marke für viele der ursprünglichen Käufer toxisch gemacht haben. Auch wenn viele Tesla mit Fremont, Kalifornien, oder Austin, Texas, verbinden: Der Engineering-Hauptsitz liegt weiterhin in Palo Alto, wo das Unternehmen 2003 gegründet wurde.
Beliebtheit? Fehlanzeige
Die Meinung der Amerikaner zu beiden Tech-Giganten fällt überwiegend negativ aus. Einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center zufolge sehen nur knapp die Hälfte der US-Erwachsenen Elon Musk negativ – während satte 67 % Mark Zuckerberg ablehnen. Musk genießt immerhin breite Unterstützung bei den Republikanern: 73 % sehen ihn positiv, vor allem wegen seiner Nähe zu Donald Trump. Zuckerberg hingegen ist bei keiner Partei beliebt. Vielleicht durchschaut die Öffentlichkeit sein politisches Kalkül – und erkennt, dass sein Rechtsruck nichts weiter ist als ein durchschaubares Tauschgeschäft.
Währenddessen beginnt am Montag Metas Kartellverfahren, das zur Zerschlagung des Konzerns führen könnte – inklusive der Abspaltung von Instagram und WhatsApp.
Schade nur, dass die Milliardäre diese Stimmen wohl nie selbst hören werden – schließlich ist zu Fuß gehen eine Aktivität, die sie wohl eher den gewöhnlichen Leuten überlassen.