Zum Inhalt springen
News

Amazon hört ALLE deine Sprachaufnahmen mit Alexa+ mit!

Datenschutz ade: Amazon will Zugriff auf alle Sprachaufnahmen
Von Kyle Barr Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Amazon schafft eine der wenigen Datenschutzoptionen für Alexa-Nutzer ab – und du kannst nichts dagegen tun. Der Grund? Künstliche Intelligenz.

Die neue KI-gestützte Version von Alexa, genannt Alexa+, erfordert vollen Zugriff auf deine Sprachaufnahmen – ohne Ausnahme. Laut einer E-Mail, die an Alexa-Nutzer verschickt wurde, wird die Datenschutzoption „Keine Sprachaufnahmen senden“ am 28. März abgeschafft. Wer die Funktion aktuell aktiviert hat, wird sie automatisch verlieren. Der einzige Ausweg? Alexa gar nicht mehr benutzen.

Ein Nutzer hat die komplette E-Mail auf Reddit geteilt (wie zuerst von Ars Technica berichtet). Darin stellt Amazon klar, dass die bisherige Option, Sprachaufnahmen nicht zu senden, eingestellt wird. Das bedeutet, dass alle Sprachaufnahmen an Amazon übermittelt und in der Cloud verarbeitet werden. Immerhin verspricht der Konzern, die Aufnahmen nach der Verarbeitung zu löschen.

„Da wir Alexas Fähigkeiten mit generativer KI erweitern und dabei auf die Rechenleistung der sicheren Amazon-Cloud angewiesen sind, haben wir beschlossen, diese Funktion nicht mehr zu unterstützen,“ heißt es in der E-Mail. „Falls du nichts unternimmst, wird deine Alexa-Einstellung automatisch auf ‚Aufnahmen nicht speichern‘ gesetzt. Das bedeutet, dass ab dem 28. März alle Sprachaufnahmen in der Cloud verarbeitet und danach gelöscht werden. Bereits gespeicherte Aufnahmen werden ebenfalls entfernt.“

Keine lokalen Sprachverarbeitungen mehr

Die Funktion „Keine Sprachaufnahmen senden“ war bisher auf den neuesten Echo-Geräten wie dem Echo Dot, Echo Show 10 und Echo Show 15 in den USA verfügbar. Diese Modelle konnten Sprache lokal verarbeiten, ohne die Cloud zu nutzen. Nach dem 28. März wird das nicht mehr möglich sein – alle Sprachaufnahmen werden direkt in die Cloud geschickt.

Ein Amazon-Sprecher erklärte gegenüber Gizmodo, dass Alexa weiterhin den Datenschutz der Nutzer priorisiere. „Daran ändert sich nichts“, behauptete der Sprecher. Nutzer hätten weiterhin „umfangreiche Kontrollmöglichkeiten“, darunter die Option, Aufnahmen nicht zu speichern.

Was steckt hinter Alexa+?

Alexa+, die neue KI-Version von Amazons Sprachassistenten, soll viel mehr können als früher. Die neue Alexa soll Bestellungen über verschiedene Apps wie Amazon Fresh oder Instacart annehmen – beispielsweise mit einer simplen Anfrage wie „Bestell mir alle Zutaten für eine Pizza“. Sie kann Smart-Home-Routinen einrichten, Sicherheitskameras anzeigen und Prime-Video-Inhalte auf Zuruf vorschlagen.

Ein weiteres großes Feature ist „Voice ID“. Damit soll Alexa erkennen, wer gerade mit ihr spricht, und ihre Antworten an die jeweilige Person anpassen. Die KI soll mit der Zeit lernen, welche Vorlieben die Nutzer haben, um persönlichere Antworten zu liefern.

Alexa+ soll auf allen aktuellen Echo Show-Geräten verfügbar sein und auch für künftige Echo-Produkte ausgerollt werden. Wer Amazon Prime hat, bekommt Alexa+ kostenlos – alle anderen müssen rund 20 US-Dollar im Monat zahlen, um mit der neuen Alexa sprechen zu können. Laut einem Bericht von Bloomberg plant Amazon zudem „Premium“-Smart-Home-Produkte, die einige Aufgaben lokal verarbeiten. Doch viele komplexere Funktionen werden trotzdem in der Cloud bleiben.

Amazons problematische Datenschutzgeschichte

Es gibt mehr als genug Gründe, Amazon nicht blindlings Zugang zu den eigenen Sprachdaten zu geben. Jahrelang hatten Amazon-Mitarbeiter Zugriff auf Nutzeraufnahmen – einige konnten sich sogar direkt Gespräche von Alexa-Nutzern anhören. 2023 zahlte Amazon 25 Millionen Dollar an die US-Handelskommission FTC, weil Mitarbeitern unbefugt Zugriff auf Kinderstimmen und Ring-Kameraaufnahmen gewährt wurde. Amazon musste daraufhin seine Datenschutzrichtlinien anpassen, um den Anforderungen des Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) gerecht zu werden.

Doch Amazons Interesse an Sprachdaten ist ungebrochen. 2023 gab das Unternehmen zu, Alexa-Aufnahmen für das Training seiner KI zu nutzen – ohne jedoch klarzustellen, ob das immer noch passiert.

Im Gegensatz zu Apple, das mit seinem „Private Cloud Compute“-System auf Datenschutz setzt und Cloud-Anfragen anonymisiert, gibt es von Amazon kaum Transparenz. Zwar könnten kleinere KI-Modelle theoretisch lokal laufen, doch die bisher bekannten On-Device-Features – etwa von Windows Copilot+ oder Gemini auf Samsung Galaxy S25 – wirken noch recht unausgereift.

Alexa+ will als erste echte KI-Assistenz-App funktionieren, die verschiedene Anwendungen verbindet. Doch angesichts Amazons fragwürdiger Datenschutzbilanz könnte es für viele Nutzer ein handfestes Datenschutzproblem bedeuten.

Die Frage ist also: Bist du bereit, deine komplette Sprachhistorie Amazon zu überlassen?

 

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel