Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Als der Dino-Killer einschlug, waren die Säugetiere schon auf dem Sprung

Lange bevor der berühmte Asteroid vor rund 66 Millionen Jahren die Ära der Dinosaurier beendete, hatten manche Säugetiere bereits begonnen, ihr Leben auf dem Boden zu führen – und genau das könnte ihnen das Überleben gesichert haben.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ein internationales Forschungsteam hat neue Hinweise darauf gefunden, dass viele baumbewohnende (arboreale) Säugetiere noch vor dem Massensterben am Ende der Kreidezeit damit begannen, sich an ein Leben am Boden anzupassen. Diese Erkenntnisse wurden am Dienstag in der Fachzeitschrift Palaeontology veröffentlicht – und sie könnten erklären, warum gerade bodenlebende Säugetiere das Asteroiden-Armageddon überstanden.

Lebensstil als Überlebensfaktor?

„Es war bereits bekannt, dass sich gegen Ende der Kreidezeit die Pflanzenwelt veränderte“, erklärt Christine Janis, Paläontologin an der Universität Bristol und Hauptautorin der Studie. „Blütenpflanzen, also Angiospermen, begannen, vielfältigere Lebensräume am Boden zu schaffen.“ Gleichzeitig wussten Forschende schon länger, dass baumbewohnende Säugetiere nach dem Einschlag stark zu kämpfen hatten. „Was bislang fehlte, war der Nachweis, dass sich diese Tiere schon vor dem Einschlag verstärkt am Boden aufhielten – im Einklang mit den sich wandelnden Lebensräumen.“

Um genau das zu untersuchen, analysierte das Team fossile Knochenfragmente von Säugetieren, die in Nordamerika gefunden wurden und aus der späten Kreidezeit sowie dem frühen Paläogen stammen – also der Phase direkt nach dem Einschlag. Untersucht wurden sogenannte therische Säugetiere, zu denen Beutelsäuger und Plazentatiere gehören – letztere nähren ihren Nachwuchs über eine Plazenta, wie auch wir Menschen.

Kleine Knochen, große Erkenntnisse

Bemerkenswert an der Studie: Die Forscher:innen nutzten winzige Knochenfragmente, um nicht nur die Lebensweise einzelner Arten zu rekonstruieren, sondern um Veränderungen ganzer Säugetiergemeinschaften zu erfassen. „Ich denke, das ist die erste Studie, die so kleine Knochenstrukturen verwendet, um Entwicklungen innerhalb ganzer Lebensgemeinschaften zu analysieren“, so Janis.

Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Schon vor dem Massenaussterben begannen viele vormals baumbewohnende Arten, sich ans Leben am Boden anzupassen. Ein strategischer Move – wie sich später herausstellen sollte.

„Die Fossilien, die wir aus verschiedenen Zeiträumen der späten Kreide und des frühen Paläogens untersucht haben, stützen die Hypothese, dass therische Säugetiere zunehmend eine terrestrische Lebensweise annahmen“, schreiben die Forschenden in ihrer Veröffentlichung. Der sich verdichtende Bewuchs am Boden – sei es dichter Wald oder offenes Buschland – bot offenbar vielfältigere Nahrungsquellen und Lebensbedingungen für Tiere, die am Boden lebten.

Wer auf dem Boden blieb, hatte die besseren Karten

Besonders spannend ist die Schlussfolgerung, die die Forschenden daraus ziehen: Der Lebensraumwechsel könnte entscheidend dafür gewesen sein, welche Säugetierarten den Asteroiden-Einschlag überlebten – und welche nicht. Die Studie zeigt, dass baumbewohnende Beutelsäuger deutlich höhere Aussterberaten hatten als bodenlebende Plazentatiere. Oder einfacher gesagt: Wer schon am Boden war, hatte bessere Chancen.

Das mag auf den ersten Blick trivial wirken, ergibt aber im Kontext des Massenaussterbens Sinn. Der Einschlag führte zu weltweiten Bränden, einer Verdunkelung des Himmels und einem Zusammenbruch der Nahrungsketten – vor allem in höheren Baumregionen dürfte das fatal gewesen sein. Tiere, die am Boden lebten und flexibler auf Nahrungssuche gehen konnten, waren im Vorteil.

Von der Maus zum Menschen?

Die Erkenntnisse werfen nicht nur ein neues Licht auf das große Artensterben, sondern auch auf die Evolution des Menschen. Die terrestrische Lebensweise, die sich offenbar bereits in der späten Kreidezeit durchzusetzen begann, legte den Grundstein für viele spätere Entwicklungen – inklusive unserer eigenen Art. Ohne diesen evolutionären „Tapetenwechsel“ hätten wir heute vielleicht ganz andere Vorfahren.

Was bleibt, ist ein faszinierender Einblick in einen der entscheidendsten Wendepunkte der Erdgeschichte. Während die Dinosaurier untergingen, begannen einige kleine, clevere Säugetiere damit, sich neu zu orientieren – und ebneten so den Weg für das Zeitalter der Säugetiere.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel