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Wissenschaft

Äthiopiens rätselhafter Vulkan: Mount Fentale spuckt plötzlich riesige Mengen Methan aus

Ein ruhender Vulkan mit unerwarteten Gasemissionen
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Im Herzen eines äthiopischen Nationalparks geschieht gerade etwas äußerst Merkwürdiges. Mount Fentale, ein Vulkan, der seit über 200 Jahren nicht mehr ausgebrochen ist, sorgt für Kopfzerbrechen bei Wissenschaftlern. Zwar gab es in letzter Zeit verstärkte vulkanische und seismische Aktivitäten, doch die aus dem Boden austretenden Gase sind nicht das, was man bei einem drohenden Ausbruch erwarten würde.

Das kanadische Unternehmen GHGSat, das sich auf die Überwachung von Treibhausgasen spezialisiert hat, schlug Anfang Februar Alarm: Die Menge an Methan, die aus dem Vulkan austritt, ist „erheblich“. Als das Unternehmen am 31. Januar erstmals Messungen vornahm, stellten die Forscher fest, dass der Vulkan jede Stunde 58 Tonnen Methan in die Atmosphäre bläst. GHGSat wurde auf das Phänomen aufmerksam, nachdem die Europäische Weltraumorganisation (ESA) mit ihrem Copernicus-Programm, das zahlreiche Erdbeobachtungssatelliten betreibt, erste Hinweise geliefert hatte.

John Stix, Geologieprofessor an der McGill University, sagte gegenüber New Scientist, dass ein derartiges Methanvorkommen für Vulkane „ungewöhnlich“ sei. Üblicherweise stoßen sie Gase wie Kohlendioxid oder Schwefeldioxid aus – Methan gehört eher nicht zum Standardrepertoire.

Warum ist das so besorgniserregend?

Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste Treibhausgas und trägt mit etwa 11 % zu den globalen Emissionen bei. Dabei ist es deutlich potenter: Ein einziges Methanmolekül kann 28-mal mehr Wärme speichern als ein Molekül Kohlendioxid – ein ernstzunehmender Faktor für den Klimawandel.

Die ungewöhnlich hohe Konzentration von Methan lässt Forscher vermuten, dass keine Magma an die Oberfläche dringt. Vielmehr könnte sich tief unter der Erde Magma bewegt und dabei eine Gaslagerstätte geöffnet haben, so Stix.

Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Die Emissionen scheinen langsam zurückzugehen. Laut GHGSat-Forscher Jason McKeever sind die Messwerte seit dem 9. Februar rückläufig.

Mount Fentale und das Rätsel der Erdbewegungen

Der letzte dokumentierte Ausbruch des Mount Fentale fand im Jahr 1820 statt, als eine vier Kilometer lange Erdspalte aufbrach und Lava austrat. Zuvor hatte der Vulkan zuletzt im 13. Jahrhundert eruptiert und dabei eine ganze abyssinische Stadt samt Kirche zerstört.

Doch es gab bereits vor der Methan-Entdeckung Anzeichen für geologische Unruhe. Das Global Volcanism Program des Smithsonian-Instituts meldete, dass Satellitenradar bereits im September eine Magma-Ansammlung unter der Region entdeckt hatte. Am 13. und 14. Januar registrierten Satelliten zudem „thermische Anomalien“, die bis zum 21. Januar weiter anwuchsen – die genaue Ursache bleibt unklar.

Mount Fentale liegt im Awash-Nationalpark, der noch einen weiteren ruhenden Vulkan beherbergt: den 450 Meter hohen Mount Dofan. Anfang Januar wurden aus seinen Felsspalten Rauchschwaden gesichtet, woraufhin Hunderte Menschen ihre Häuser vorsorglich verließen. Zudem wurden in den Wochen davor immer stärkere Erdbeben registriert. Ein voller Ausbruch ist bisher jedoch nicht erfolgt.

Wirklich aktiv war Dofan schon lange nicht mehr – eigentlich zu lange. Laut dem Global Volcanism Program gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass der Vulkan jemals während des Holozäns – also in den letzten 11.700 Jahren – ausgebrochen ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Eruption unmittelbar bevorsteht. Vulkanausbrüche sind schwer vorherzusagen, selbst für Experten. Also keine Panik – es gibt genug andere Dinge, über die man sich in der heutigen Welt sorgen kann.

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