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Wissenschaft

Ältester Meteoriteneinschlag der Welt in Australien entdeckt – über eine Milliarde Jahre älter als bisheriger Rekordhalter

Ein gewaltiger Meteoriteneinschlag hat vor rund 3,5 Milliarden Jahren eine Region in der australischen Pilbara getroffen – ein Gebiet, das für einige der ältesten Lebensformen der Erde bekannt ist.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wissenschaftler in Australien haben den bisher ältesten Einschlagskrater der Welt identifiziert – und er ist mehr als 1,25 Milliarden Jahre älter als der bisherige Rekordhalter.

Der Meteoriteneinschlag in der Pilbara-Region Westaustraliens wird auf ein Alter von 3,5 Milliarden Jahren datiert, während der bislang älteste bekannte Krater nur etwa 2,2 Milliarden Jahre alt ist. Laut den Forschern ist der Pilbara-Krater damit bei weitem der älteste, der jemals auf der Erde entdeckt wurde. Den Durchbruch ermöglichte eine ganz besondere Felsformation, die auf den Einschlag hinweist. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

„Diese Studie liefert ein entscheidendes Puzzlestück zur Einschlaggeschichte der Erde und deutet darauf hin, dass es noch viele weitere uralte Krater zu entdecken geben könnte“, erklärte Tim Johnson, Geologe an der Curtin University in Australien und Co-Autor der Studie, in einer Universitätsmitteilung.

Schockwellen aus der Vergangenheit

Die besondere Felsformation, die den Forschern bei der Identifizierung half, sind sogenannte Schockkegel – eine geologische Struktur, die ausschließlich durch die extreme Druckwelle eines Meteoriteneinschlags entsteht. Der Einschlag ereignete sich im Gebiet des heutigen North Pole Dome, etwa 40 Kilometer westlich von Marble Bar in Westaustralien. Interessanterweise befindet sich auch der bisherige Rekordhalter – der Yarrabubba-Krater – in derselben Region.

Laut der Studie raste der Meteorit mit einer Geschwindigkeit von über 36.000 Kilometern pro Stunde auf die frühe Erde zu und schlug mit einer Wucht ein, die einen Krater von mehr als 100 Kilometern Durchmesser hinterließ.

Die Schockkegel liefern laut den Wissenschaftlern „eindeutige Beweise“ für einen extrem schnellen Meteoriteneinschlag vor 3,47 Milliarden Jahren. Zudem ist das Alter des Kraters nahezu identisch mit bestimmten Gesteinsschichten in Südafrika – ein Hinweis darauf, dass der Einschlag Material um den gesamten Planeten verstreute.

„Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, das Geheimnis um den Ursprung des Lebens zu lüften. Einschlagskrater schufen Umgebungen, die für Mikroben ideale Bedingungen boten, etwa heiße Wasserquellen“, erklärte Chris Kirkland, ebenfalls Geologe und Co-Autor der Studie.

Verbindungen zum frühesten Leben auf der Erde – und vielleicht auch auf dem Mars?

Tatsächlich befindet sich in der Region des Einschlags eine der ältesten Spuren frühen Lebens auf der Erde. Die sogenannten Stromatolithen – fossile Mikrobenmatten, die in warmen, flachen Gewässern vor der australischen Küste vorkommen – sind fast 3,5 Milliarden Jahre alt. Sie bieten eine spannende Parallele zu möglichen fossilen Lebensspuren auf dem Mars.

Erst letztes Jahr entdeckte eine Forschergruppe in Australien die ältesten bekannten fossilen Spuren von Photosynthese – 1,75 Milliarden Jahre alt. Diese Funde könnten wichtige Hinweise darauf liefern, wie frühes Leben auch auf anderen Planeten entstanden sein könnte.

Auswirkungen auf die Erdkruste und die Plattentektonik

Neben der Bedeutung für die Erforschung des Lebens hat der Einschlag auch massive Auswirkungen auf unser Verständnis der Erdkruste. „Die enorme Energie dieses Einschlags könnte eine entscheidende Rolle bei der Formung der frühen Erdkruste gespielt haben – entweder indem er Erdkrustenteile untereinander verschob oder Magma aus dem Erdmantel an die Oberfläche drückte“, erklärte Kirkland weiter.

Bereits frühere Forschungen zur Pilbara-Region, die einige der ältesten Gesteine der Erde enthält, legten nahe, dass die Plattentektonik bereits vor 3 bis 4 Milliarden Jahren aktiv gewesen sein könnte – und dieser gewaltige Meteoriteneinschlag könnte dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben.

 

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