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Wissenschaft

Abgetrennte Köpfe in der Eisenzeit: Mehr als nur Kriegsbeute

Wurden die Enthaupteten verehrt oder als Warnung zur Schau gestellt?
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Menschen auf der Iberischen Halbinsel hatten im letzten Jahrtausend v. Chr. eine beeindruckende, wenn auch makabre Bestattungstradition: Sie trennten Köpfe ab und platzierten sie an prominenten Stellen – manchmal sogar mit einem riesigen Nagel durch den Schädel geschlagen. Doch wen traf dieses Schicksal? Waren es angesehene Mitglieder der Gemeinschaft oder besiegte Feinde, die als Warnung dienen sollten?

Um diese Frage zu klären, analysierte ein europäisches Forschungsteam sieben abgetrennte Köpfe aus zwei archäologischen Stätten in Spanien. Ziel war es herauszufinden, ob die Enthaupteten Einheimische oder Fremde waren. Lokale Herkunft würde darauf hindeuten, dass es sich um eine Bestattungszeremonie für verehrte Gemeindemitglieder handelte. Fremde Köpfe könnten hingegen als Machtsymbol und Abschreckung gedient haben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beide Theorien zutreffen – die Tradition des Totenkults war offenbar von Gemeinschaft zu Gemeinschaft verschieden.

Kriegsbeute oder Ehrenbestattung? Beides ist möglich

„Unsere Ausgangshypothese war, dass es sich bei den Köpfen entweder um Kriegsbeute oder um verehrte Persönlichkeiten der Gemeinschaft handeln musste“, erklärt Rubén de la Fuente-Seoane, Archäologe an der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) und Hauptautor der Studie. Die Ergebnisse wurden am 13. Februar im Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlicht.

Mithilfe isotopischer Analysen – einer Methode, um Ernährung, Umweltbedingungen und Wanderungsbewegungen früherer Menschen zu untersuchen – analysierten die Forschenden sieben abgetrennte Köpfe aus Puig Castellar und Ullastret. Beide Stätten, eine alte iberische Siedlung und eine Stadt an der nordöstlichen Küste des heutigen Spaniens, wurden um das 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. verlassen – vermutlich im Zusammenhang mit der römischen Invasion der Iberischen Halbinsel.

Die Analysen ergaben, dass drei der vier Köpfe aus Puig Castellar wahrscheinlich von nicht-einheimischen Personen stammten. Zudem wurden alle Köpfe in der Nähe der inneren Mauer, direkt hinter dem Haupteingang der Siedlung gefunden – ein strategisch gewählter Ort, um sie gut sichtbar zu machen. Aufgrund dieser Hinweise gehen die Forschenden davon aus, dass es sich um Kriegsbeute handelte, mit der sowohl externe als auch interne Feinde abgeschreckt werden sollten.

In Ullastret zeigte sich hingegen ein gemischtes Bild: Zwei der drei Köpfe waren wohl einheimisch und wurden auf einer Straße entdeckt, was darauf hindeutet, dass sie an Häuserwänden oder Türen hingen. Das könnte bedeuten, dass es sich um angesehene Persönlichkeiten handelte, die von der Gemeinschaft verehrt wurden. Der dritte Kopf dagegen stammte von einer fremden Person und wurde in einer Grube gefunden – möglicherweise ein Lager für Feindesschädel.

Ein komplexes Ritual mit vielen Bedeutungen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Praxis der Schädelpräsentation von Ort zu Ort unterschiedlich war – eine einheitliche symbolische Bedeutung lässt sich also nicht festlegen. „Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Bestattungstradition vielseitiger war als bisher angenommen“, sagt Fuente-Seoane. Dennoch sei weitere Forschung nötig, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Trotz der offenen Fragen wirft die Studie ein neues Licht auf eine faszinierende, aber wenig dokumentierte Kultur der Eisenzeit. Die Menschen dieser Epoche hinterließen nur wenige Spuren über ihre gesellschaftlichen Strukturen – doch diese Enthauptungsrituale erzählen uns heute mehr über ihr Leben, als sie es damals vielleicht geahnt hätten.

 

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